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Sprengstoff ist out : Terroristen steigen auf Sturmgewehre um

Ein Sturmgewehr aus dem berühmten Hause Kalaschnikow Bild: Colourbox.com

Früher verübten Islamisten ihre Anschläge mit Sprengstoff. Heute benutzen sie Kriegswaffen. Die sind auch in Deutschland leicht zu bekommen.

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          Im März 2012 tötete der französische Islamist Mohamed Merah einen Soldaten in Toulouse mit einem Kopfschuss, als der eine Sporthalle verließ. Vier Tage später erschoss er zwei weitere Soldaten, die an einem Einkaufszentrum standen. Und weitere vier Tage danach erschoss er in einer jüdischen Schule einen Rabbiner und drei Kinder. Für seine Morde benutzte Merah, der wenig später bei einem Polizeieinsatz getötet wurde, einen Colt und eine 9-Millimeter-Pistole.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Attentäter von Toulouse war einer der ersten islamistischen Terroristen in Europa, der seine Taten mit einer Schusswaffe beging. Ein Jahr zuvor hatte allerdings schon in Deutschland ein Täter mit einer Schusswaffe zugeschlagen: Der in Frankfurt lebende Kosovo-Albaner Arid Uka, der sich über das Internet radikalisierte, erschoss am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten mit einer Pistole.

          Was Uka und Merah vormachten, haben seitdem mehrere Terroristen in Europa nachgemacht: Anschläge mit Feuerwaffen. Mit dem Unterschied, dass die Attentäter nicht mehr Colt oder Pistole benutzten, sondern Kriegswaffen, vor allem Sturmgewehre und Maschinenpistolen. Im Mai 2014 feuerte der Syrien-Rückkehrer Mehdi Nemmouche im Jüdischen Museum in Brüssel mit dem Sturmgewehr AK-47, der berühmten Kalaschnikow, auf Besucher, tötete ein israelisches Ehepaar und eine französische Praktikantin.

          Die Attentäter von Paris, die Brüder Saïd und Chérif Kouachi, brachten Anfang Januar dieses Jahres die Zeichner und Redaktionsmitglieder von „Charlie Hebdo“ ebenfalls mit Kalaschnikows ums Leben. Auch ihr Verbündeter, Amedy Coulibaly, der eine Polizistin erschoss und später in einem jüdischen Supermarkt vier Menschen tötete, benutzte eine AK-47 und eine Maschinenpistole vom Typ Skorpion. Der Islamist, der gut einen Monat später ein Kulturzentrum und eine Synagoge in Kopenhagen angriff und zwei Menschen tötete, feuerte ebenfalls aus einem Sturmgewehr.

          Fertigen Sprengstoff zu besorgen, ist schwierig

          Sich eine schwere Waffe besorgen und damit Islamkritiker, Juden, Soldaten oder Polizisten angreifen – das ist das neue Fanal der islamistischen Terroristen. „Der Trend geht zur Waffe“, sagt ein Ermittler.

          Noch vor wenigen Jahren war das anders. Das Mittel der Wahl für islamistische Terroristen war Sprengstoff. Damit gelangen ihnen blutige Anschläge mit vielen Todesopfern. Mit Bomben, die in Vorortzügen deponiert waren, brachten Terroristen in Madrid am 11. März 2004 mehr als 190 Menschen um. Ein gutes Jahr später versetzten die sogenannten Rucksackbomber London in Angst und Schrecken. Sie zündeten in der Londoner U-Bahn ihre Sprengsätze und rissen 52 Menschen mit in den Tod.

          Einer der Kouachi-Brüder trägt eine Kalschnikow mit abklappbarer Schulterstütze.

          Solche spektakulären Anschläge, die damals vom Terrornetzwerk Al Qaida in Auftrag gegeben worden waren, gelten Terroristen weiter als erstrebenswertes Ziel. Allein, ein solcher Anschlag verlangt eine aufwendige Vorbereitung, viele Leute sind eingebunden. Das Risiko ist hoch, dass Ermittler Wind davon bekommen. Fertigen Sprengstoff zu besorgen ist schwierig. Es gibt ihn vor allem in militärischen Einrichtungen oder in bestimmten Zweigen der Industrie – in der Regel streng bewacht. Zwar lassen sich Sprengsätze selbst herstellen: Bauanleitungen für Bomben gibt es im Internet, die Zutaten sind in Baumärkten zu erwerben.

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