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Sprengstoff ist out : Terroristen steigen auf Sturmgewehre um

„Zunehmende Gewaltbereitschaft und Brutalität im Vorgehen“

Das Zollkriminalamt in Köln hat im vergangenen Jahr 95 Kriegswaffen und mehr als 1200 andere Schusswaffen beschlagnahmt. Es ist ein Bruchteil der Millionen illegaler Waffen, die in Deutschland kursieren. Die Kalaschnikows der Täter von Paris stammten vom Balkan. Ein klassischer Fall. „Waffen werden vor allem aus ehemaligen Kriegs- und Krisengebieten geschmuggelt, heute etwa vom Balkan“, sagt Wolfgang Schmitz vom Zollkriminalamt. Serbien, Bosnien und Kosovo sind Länder, aus denen die Waffen in die Europäische Union kommen. Oft haben Kuriere sie im Gepäck, die Waffen gelangen etwa über Kroatien in die EU und von da weiter Richtung Westen.

Mit den Tätergruppen aus dem Osten Europas „sehen wir eine zunehmende Gewaltbereitschaft und Brutalität im Vorgehen“, sagt Schmitz. Die Sicherheitsbehörden beobachteten eine „Spirale der Aufrüstung“ unter den kriminellen Banden. Doch könnte es noch schlimmer kommen. Sobald der Krieg in der Ukraine abgeflaut ist, werden auch Waffen von dort in die EU gelangen. Auch aus den Kriegsgebieten in Syrien oder aus Libyen, so befürchten die Ermittler, könnten Waffen ihren Weg nach Deutschland finden.

Für die deutschen Sicherheitsbehörden ist der Trend zur Waffe eine immense Herausforderung. Die Terrorismusfahnder haben sich jahrelang darauf konzentriert, herauszufinden, in welchen Kreisen Sprengsätze gebaut werden, womöglich sogar mit radioaktivem Material. Nun müssen sie in Erfahrung bringen, wer sich im islamistischen Milieu Waffen besorgt. Dafür braucht es Informanten, V-Leute und verdeckte Ermittler in den entsprechenden Milieus. Und eine verstärkte internationale Zusammenarbeit. Doch was die Bekämpfung des Waffenschmuggels angeht, arbeiten die europäischen Sicherheitsbehörden längst nicht so gut zusammen wie beim Kampf gegen den illegalen Rauschgifthandel. Es fehlt an einem Netz der Verbindungsbeamten und an internationalen Datensystemen.

Für die Polizei bringt der Einsatz schwerer Waffen durch Terroristen neue Gefahren. Denn Wachleute vor Botschaften oder Synagogen sind nur für einen Angriff mit Handfeuerwaffen ausgerüstet. Schwerbewaffnete Täter zu stoppen oder gar zu verfolgen ist ihnen nicht möglich. Das können nur spezielle Anti-Terror-Einheiten. Innenminister Thomas de Maizière will nun vier Hundertschaften für eine solche Truppe aufstellen, die über das Bundesgebiet verteilt werden sollen.

Für die einfachen Streifenpolizisten, die als Erste am Ort sind, bringt das erst einmal nichts. Als die Attentäter von Paris flüchteten, kam ihnen in einer engen Straße ein Streifenwagen der Polizei entgegen. Die Täter eröffneten das Feuer aus ihren Kalaschnikows. Die Polizisten im Streifenwagen fuhren mit hoher Geschwindigkeit rückwärts. Es war das einzig Vernünftige, was sie tun konnten.

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