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Islam : Vom Boxer Pierre Vogel zum Prediger Abu Hamsa

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Früher galt Vogel als skurrile Figur, nach Fernsehmoderator Frank Plasberg klingt er wie der „nette Sohn von Reiner Calmund“. Heute sehen Verfassungsschützer den Hünen mit der Boxernase kritischer. Im Dezember wurde ihm die Einreise in die Schweiz verweigert. Vogel wollte in Bern an einer Kundgebung gegen das Minarettverbot teilnehmen, das Schweizer Bundesamt für Migration ließ ihn an der Grenze abweisen. Dabei spricht er sich gegen Minarette aus. „Minarette sind Geldverschwendung. Wir brauchen Menschen, keine Gebäude“, sagt Vogel. Deshalb hält er in den kommenden sechs Monaten an jedem Wochenende in verschiedenen Städten in Deutschland Kurse in Dawa, der „Einladung“ zum Islam, ab.

Mit Franziska van Almsick in einer Klasse

Seine Mitstreiter sollen von ihm lernen und dann ausschwärmen mit dem Auftrag, Menschen zum Islam zu bekehren - „aus Barmherzigkeit, um die Nicht-Muslime vor ewigem Leid in der Hölle zu bewahren“. „Wir haben die Mission, den Islam in jedes Haus in Deutschland zu tragen“, predigt Vogel. 100 Missionare sollen am Ende der Seminare bei ihm ihre Prüfung ablegen. „Wir werden nach sechs Monaten so viele Leute haben, die Dawa machen, die können uns gar nicht mehr aufhalten.“

Als Jugendlicher hätte sich Vogel noch vorstellen können, Pfarrer zu werden. „Er ist nicht wegen der Geschenke zur Konfirmation gegangen, sondern weil er den Sinn darin gesehen hat“, sagt seine Mutter. Als Kind spielte Vogel Fußball beim 1. FC Köln, dann wurde er Boxer. Nach dem Wechsel vom katholischen Elitegymnasium auf das Sportinternat nach Berlin-Hohenschönhausen saß er mit Franziska van Almsick in einer Klasse, mit den heutigen Box-Weltmeistern Felix Sturm und Jürgen Brähmer kämpfte er in der Nationalstaffel. 2000 wird er Profi, kämpft im Vorprogramm von Witali Klitschko und Sven Ottke, trainiert bei Star-Trainer Ulli Wegner. Insgesamt bringt er es auf sechs Siege und ein Unentschieden in sieben Kämpfen. 2001 tritt er zum Islam über.

„Ich habe mich mit allen Religionen beschäftigt und in allen findet man auch etwas Gutes“, sagt Vogel. „Aber der Islam hat mich gleich gepackt, weil er auf wahren, unverfälschten Quellen basiert. Er liefert logische Antworten auf die drei fundamentalen Fragen, die wir alle haben: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was ist der Sinn des Lebens?“ Mit der christlichen „Opfertodtheorie“ habe er sich nicht identifizieren können. „Ich glaube nicht, dass die Bibel ein schlechtes Buch ist, aber sie ist nicht die hundertprozentige Wahrheit.“ Am 11. Mai 2001 fährt Pierre Vogel einen Trainingspartner aus den Vereinigten Staaten in eine Moschee nach Frechen bei Köln. Dort entschließt er sich spontan, das islamische Glaubensbekenntnis zu sprechen. „Ich hatte vorher schon fünfmal am Tag gebetet, aber den Islam noch nicht angenommen“, sagt Vogel.

Islam in Saudi-Arabien studiert

Irgendwann kann Vogel den Boxsport nicht mehr mit seinem Glauben vereinbaren. „Es ist laut Sunna streng verboten, jemandem ins Gesicht zu schlagen, es sei denn zur Selbstverteidigung. Ich konnte das Boxen aber zunächst nicht aufgeben, weil ich finanziell abhängig war“, sagt Vogel. 2002 hört er mit dem Boxen auf und schreibt sich an der Universität Köln ein. Er studiert Sozialwissenschaften und Geographie auf Hauptschullehramt. Nach einem Semester bricht er ab. Er will Übersetzer werden, lernt in Bonn Arabisch. Wieder wirft er hin. 2004 macht er ernst und geht ins wahhabitische Saudi-Arabien, wo er den Islam studiert.

Drei Semester lernt er am Arabistischen Institut für Ausländer an der Umm-al-Qura-Universität in Mekka. „Ich wollte in Saudi-Arabien lernen, um den Islam später in Deutschland argumentativ verteidigen zu können“, sagt Vogel. 2006 kommt seine Tochter in Bonn auf die Welt - mit einem Herzfehler. Vogels Tochter und seine marokkanische Ehefrau können nicht wie geplant nach Mekka nachkommen. Stattdessen kehrt Pierre zurück. Mittlerweile nennt er sich Salahudin, seit der Geburt seines Sohnes Abu Hamsa.

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