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Islam und Deutschland : Seehofer kritisiert Kritiker aus der SPD

  • Aktualisiert am

Teilweise auf einer Wellenlänge: Horst Seehofer und Markus Söder Bild: dpa

Die Sozialdemokraten sollten lieber helfen, die Spaltung in Deutschland zu überwinden, statt sich an seinen Äußerungen abzuarbeiten, so Seehofer. Unterstützung bekommt er von seinem Nachfolger in München.

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          Nach seinen heftig kritisierten Äußerungen zum Islam in Deutschland hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für „mehr Gelassenheit“ in der Debatte ausgesprochen. „Dass Deutschland geschichtlich und kulturell christlich-jüdisch und nicht islamisch geprägt ist, kann doch niemand ernsthaft bestreiten“, sagte Seehofer der „Welt am Sonntag“. „Das ist für mich entscheidend, wenn es um die Frage geht, was zu Deutschland gehört.“

          Der neue Innen- und Heimatminister hatte am Freitag eine heftige Debatte ausgelöst mit der Aussage, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Dafür war Seehofer vom Koalitionspartner SPD und der Opposition - mit Ausnahme der AfD - heftig kritisiert worden.

          Aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte klar, dass für sie die hierzulande lebenden Muslime und der Islam sehr wohl zu Deutschland gehörten. Es sei für ihn eine „Selbstverständlichkeit“, dass die „große Zahl der friedliebenden Muslime in Deutschland zu uns gehört“, sagte Seehofer nun der „Welt am Sonntag“.

          Der CSU-Vorsitzende kritisierte besonders die Haltung der SPD in der aktuellen Debatte. „Auch meine Kritiker in der SPD können doch nicht in Frage stellen, wo wir unsere Wurzeln haben und was uns historisch geprägt hat und ausmacht“, richtete sich Seehofer an den Koalitionspartner. „Statt sich an einzelnen Sätzen abzuarbeiten, sollte die SPD lieber mithelfen, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken.“

          Unterstützung hatte Seehofer unter anderem von seinem Nachfolger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder bekommen. Deutschland sei „christlich-abendländisch geprägt mit jüdisch-humanistischen Wurzeln“, sagte Söder am Samstag im Interview mit dem „Bayerischen Rundfunk“. Diese Prägung beziehe sich nicht auf eine reine Religionsausübung, in der natürlich die Religionsfreiheit gelte, sondern auf den Kalender, Traditionen und Bräuche. „Und die Mehrzahl unserer Bayern möchte das auch gern behalten“, so Söder.

          Seehofer (CSU) hatte mit seiner Aussage, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, eine Debatte ausgelöst. Söder stellte sich hinter seinen Parteikollegen und sagte, es müsse die Basis definiert werden, um das Miteinander gestalten zu können. Jemand der nach Deutschland komme, solle alle Startchancen erhalten, „aber er muss sich letztlich an unsere Werte, Sitten, Gebräuche anpassen und nicht umgekehrt“.

          Man beginne die Debatte aus dem Grund, weil man merke, dass man bereits beginnende Parallelgesellschaften in einigen Städten Deutschlands habe, sagte Söder. Als Beispiel nannte der CSU-Politiker Diskussionen, ob ein Flüchtling oder Migrant eine Zweit-Frau nach Deutschland bringen könne, „obwohl wir doch ein ganz klares Wertesystem haben“. Solche Fragen müsse man „vernünftig, mit Augenmaß aber letztlich auch klar beantworten“.

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