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Islam hierzulande : Neue Imam-Ausbildung in Deutschland

  • -Aktualisiert am

Ein Imam betet in einer Moschee (Symbolbild). Bild: dpa

In vielen Moscheegemeinden predigen Imame, die nicht in Deutschland ausgebildet wurden. Ein neu eingerichteter Lehrgang soll daran etwas ändern.

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          Vom kommenden Jahr an soll es einen neuen Ausbildungslehrgang für Imame in Deutschland geben. Das teilte das Islamkolleg Deutschland (IKD) am Dienstag in Berlin mit. Ein erster Ausbildungsjahrgang mit bis zu 30 Teilnehmern werde im April starten. Die Ausbildung soll ausschließlich in deutscher Sprache erfolgen. Neben der Ausbildung zum Imam will das IKD auch Lehrgänge für Seelsorger und Gemeindepädagogen anbieten.

          Finanziert wird das Projekt vom Bundesinnenministerium und dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium. Zu den Gründungsmitgliedern des Islamkollegs gehören islamische Theologen, muslimische Personen des öffentlichen Lebens und Verbände wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken.

          Der IKD-Vorsitzende Esnaf Begic hob hervor, dass die Lehrpläne der neuen Imam-Ausbildung unabhängig von jeglichem staatlichen Einfluss aus dem In- oder Ausland erstellt würden. Die Wissenschaftseinrichtung werde damit zur Beheimatung der Muslime in Deutschland beitragen. Es sei nach 60 Jahren dauerhafter Präsenz des Islams in Deutschland höchste Zeit, dessen provisorischen Dauerstatus zu überwinden, forderte der wissenschaftliche Direktor des IKD, Bülent Ucar.

          Zwar werden islamische Theologen bereits an deutschen Universitäten ausgebildet. Bislang fehlt aber eine praktische Ausbildung für die Arbeit in den Gemeinden. In vielen Moscheen predigen deshalb Imame aus dem Ausland. Die Deutsche Islamkonferenz hatte es sich zum Ziel gesetzt, mehr deutsche Muslime als Imame in die Moscheen zu bringen.

          Ditib macht nicht mit

          Mehrere große Dachverbände haben sich dem Projekt des Islamkollegs nicht angeschlossen. Dazu zählt etwa die türkische Ditib. Sie ist der türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellt und bildet seit diesem Jahr selbst Imame in Deutschland aus.

          Man sehe sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung und Erweiterung zu bestehenden Institutionen, so Ucar. Das IKD hoffe, einen Beitrag zu leisten, damit sich Imame mehr öffneten. Die Lehrgänge richteten sich daher auch an bereits tätige Imame.

          Imamen aus dem Ausland fehle oft das Fingerspitzengefühl für kulturelle Gegebenheiten in Deutschland, sagte Ucar, zum Beispiel wenn es um die Rolle der Frauen gehe. Außerdem setze die Imamausbildung im Ausland oft mehr auf das Auswendiglernen von Inhalten als die kritische Reflexion. „Ein Imam, der sich auch mal selber kritisieren kann, wird Jugendliche in Deutschland viel besser erreichen“, so Ucar. 

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