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Islam in Deutschland : Kebab Connection

  • -Aktualisiert am

Aus der Dönerbude in die Moschee Bild: Sebastian Matthäus

„Salam! Wie geht’s? Schmeckt es dir, Andreas? Kennst du Pierre Vogel? Komm, sprich doch das Glaubensbekenntnis.“ Andreas wollte einen Döner essen. Dann ging er mit in die Moschee.

          6 Min.

          Ich bin Andreas. „As-salamu alaykum.“ Andreas bestellt auf Arabisch. „Einen Döner, min fadlika“ - bitte. Der Verkäufer mit der Glatze und dem langen Bart blickt auf. Er lächelt.

          „Du sprichst Arabisch?“

          „Ich lerne es.“

          „Wa-alaykumu-s-salam.“

          In der Ecke neben dem gläsernen Verkaufstresen sitzen vier Männer. Auch langbärtig. Einer mit T-Shirt und Hose, die anderen in langen weißen Gewändern. Durch die Fensterfront schießen Lichtstrahlen herein. Staub tanzt in der Luft. Es ist still. Essen ist fertig.

          „Ich bin Farid“, sagt der Verkäufer.

          „Andreas“, sagt Andreas.

          Farid stellt das Essen auf den Stehtisch bei den Männern. Langsames Nicken, Lächeln, braune Augen. Ein kleiner Mann mit Knubbelnase fragt:

          „Alles klar?“

          „Ja, danke.“

          „Sehr gut, sehr gut. Guten Appetit, iss erst mal.“

          Andreas isst erst mal. Die Männer sprechen arabisch. Andreas versteht wenig. Er ist aufgeregt. Ängstlich. Er spricht gerne arabisch, wenn es geht. Aufgegessen. Andreas guckt wieder zu den Männern.

          „Ich heiße Sami“, sagt der Bart unter der Knubbelnase.

          „Andreas“, sagt Andreas. Warum er Arabisch lernt, fragt Sami. Er interessiert sich für die Kultur, sagt Andreas. Er will nach Marokko reisen. Die arabische Welt kennenlernen. Sami nickt, Sami grinst. Er findet das gut.

          „Das ist gut, Andreas.“

          Einen Koran als Geschenk
          Einen Koran als Geschenk : Bild: Sebastian Matthäus

          „Interessierst du dich auch für den Islam?“, fragt ein anderer. Er ist ein bisschen dicker, sein Gesicht ist blass und sein Bart noch ein Flaum. Er heißt Adil.

          „Schon interessant, aber ich weiß nichts darüber.“

          Farid kommt an den Tisch.

          „Der Islam weist dir einen Weg auf der Erde, und wenn du ihn befolgst, führt er ins Paradies. Ist ziemlich gut, oder?“

          „Wie die Bibel“, sagt Andreas.

          „Genau“, sagt Farid.

          Andreas will zahlen.

          „Geht nicht“, sagt Farid. „Es hat schon jemand für dich bezahlt. Aber hier, nimm das mit.“

          Er reicht Andreas ein rotes Buch mit goldener Schrift. Der edle Koran.

          Am nächsten Tag ist Andreas wieder da. As-salamu alaykum. Wa-alaykumu-s-salam. Farid schneidet Salatköpfe. Der Laden ist leer. Nur Adil sitzt in der Ecke. Neben ihm ist ein kleiner Durchgang zu einem anderen Raum. Adil ist der Wächter.

          „Hey Andreas, alles klar?“

          „Alles klar, danke.“

          Andreas isst. Adil sitzt. Aufgegessen. Adil erklärt: Er studiert Maschinenbau. Drittes Semester, aber er hat mehr gechillt als studiert. Er will lieber Mathe machen, das ist sein Ding. Aber nicht in Deutschland. In Saudi-Arabien. Da hat er nur keine Zulassung bekommen. In Deutschland ist das Leben schlecht. Stress. Jeden Tag nervt der Briefkasten, spuckt Rechnungen und Probleme. Die Menschen haben keine Werte. Nur Geld und Erfolg zählen. Sie hetzen durch den Tag. Haben keinen Glauben. Als Muslim hat man es schwer. Es fehlen Koran- und Sprachschulen. Mit seinem Bart und dem Gewand wird Adil komisch angeguckt. Aber Adil glaubt. Darum erträgt er das alles.

          „Die Dinge sind, wie sie sind, Prüfungen Allahs.“

          Ding dong. Adil und Farid gucken sich an. Andreas guckt zum Eingang. Niemand da. Farid flitzt an Adil vorbei in den Raum.

          „Verstehst du?“

          „Ja.“

          „Glaubst du auch, Andreas?“

          „Nein. Ich weiß nichts über den Islam.“

          „Kennst du Pierre Vogel? Das ist ein guter Junge. Du kannst ihn dir auf Youtube angucken. Da lernst du was über den Islam.“

          Adil erklärt weiter. Er erzählt Andreas von den fünf Säulen des Islam. Dem Glaubensbekenntnis. Dem fünfmaligen Gebet. Der Almosensteuer. Dem Fasten im Ramadan. Der Pilgerfahrt nach Mekka.

          „Das sind deine Pflichten als Muslim. Das musst du machen. Ohne geht nicht. Das ist wie die Grundausstattung beim Auto. Verstehst du?“

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