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IS-Prozess in Frankfurt : Als Sanitäter für den „Islamischen Staat“

Großes Medieninteresse: der mutmaßliche IS-Kämpfer Kreshnik B. vor Gericht in Frankfurt Bild: Reuters

In Frankfurt steht erstmals ein mutmaßlicher Kämpfer der Terrorgruppe IS vor Gericht: Kreshnik B., 20 Jahre alt, geboren in Bad Homburg. Der Richter hat ihm einen Deal angeboten. Bisher will B. nicht aussagen, doch das könnte sich bald ändern.

          Etwas verschmitzt grinst Kreshnik B. und rutscht tiefer auf in seinen Sessel. Im Saal des Frankfurter Oberlandesgerichts wird gerade der Mitschnitt eines Telefongesprächs abgespielt. Immer wieder rauscht der Wind auf dem Band so stark, dass man kaum etwas versteht. Kreshnik hatte von Syrien aus seine Schwester angerufen. Er wolle, dass seine Eltern kämen, sagt die Stimme auf dem Band. Die Schwester antwortet: „Wenn Du Papa und Mama sehen willst, musst Du zurückkommen!“

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          In Frankfurt hat am Montag der erste Strafprozess in Deutschland gegen ein Mitglied der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) begonnen. Angeklagt ist der heute 20 Jahre alte Kreshnik B., geboren in Bad Homburg, zuletzt wohnhaft in Frankfurt am Main. Die Familie stammt aus dem Kosovo und gilt als gut integriert. Religion habe zuhause keine Rolle gespielt, sagt ein Onkel. Mit 16 Jahren wandte sich Kreshnik dem Islam zu. Er geriet in die Fänge islamistischer Prediger, radikalisierte sich. Die Familie kam an Jungen nicht mehr heran. Nachdem Kreshnik plötzlich verschwunden war, wandten sich die Eltern an die Polizei und baten um Hilfe.

          An der Waffe geschult

          Laut der Anklage der Bundesanwaltschaft fuhr Kreshnik B. Anfang Juli 2013 mit einigen Gleichgesinnten mit dem Bus nach Istanbul. Von dort ging es weiter nach Syrien, wo sie sich gemeinsam den Kämpfern des Isis anschlossen, der Terrorgruppe „Islamischer Staat in (Groß-)Syrien und dem Irak“, die sich inzwischen nur noch „Islamischer Staat“ nennt. Mit Isis wollten die jungen Männer gegen das Assad-Regime kämpfen und einen islamischen „Gottesstaat“ aufbauen, so die Anklage. In Syrien habe sich Kreshnik B. eine Waffe besorgt und sei in ihrer Handhabung geschult worden. Er soll an mehrtägigen Kampfeinsätzen beteiligt gewesen sein, vor allem aber Sanitäts- und Wachdienste geleistet und bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Provinz Aleppo für Isis geworben haben. Bei seiner Rückkehr aus Syrien im vergangenen Dezember wurde Kreshnik B. am Frankfurter Flughafen festgenommen.

          Die Bundesanwaltschaft wirft ihm nun vor, eine „schwere staatsgefährdende Straftat“ nach Paragraph 89a des Strafgesetzbuches vorbereitet zu haben und Mitglied in einer terroristischen Vereinigung nach Paragraph 129a des Strafgesetzbuches gewesen zu sein.

          Freiwillig zurückgekehrt?

          Am Montag bot das Gericht in der Verhandlung allerdings eine „Verständigung“ an, einen sogenannten Deal: „Wir wollen ihnen die Zukunft nicht verbauen“, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte solle eine zweite Chance bekommen, wenn er sich „kooperativ zeige“ und ein Geständnis ablege. In diesem Fall könnte er mit einer Jugendstrafe von etwa vier Jahren rechnen, sagte der Vorsitzende Richter.

          Das Verfahren wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ könnte dann eingestellt und Kreshnik B. nur wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verurteilt werden.

          Offenbar hofft das Gericht auch, mehr darüber zu erfahren, wie Kreshnik B. in die Fänge der Islamisten geriet – bisher hat er zu allen Vorwürfen und zu seinem Vorleben geschwiegen. Sein Verteidiger sagte nach der Verhandlung immerhin, dass Kreshnik B. freiwillig aus Syrien zurückgekehrt sei, zeige, dass er sich von dem von ihm eingeschlagenen Weg abgewandt habe. Er glaube, Kreshnik B. sei „sehr dankbar“, wieder in Deutschland sein zu können. Am Freitag wolle er zu dem Vorschlag des Gerichts Stellung nehmen.

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