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IS-Frau aus Sachsen-Anhalt : Anklage gegen Leonora M.

Leonora M. stellte sich im Januar 2019 an der syrisch-irakischen Grenze kurdischen Kräften der Freien syrischen Armee Bild: AFP

Mit 15 Jahren reiste ein Mädchen aus Sangerhausen ins „IS-Kalifat“ nach Syrien, heiratete einen bekannten Islamisten und bekam mehrere Kinder. Nun soll sie in Naumburg vor Gericht gestellt werden.

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          Sieben Monate nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hat der Generalbundesanwalt Anklage gegen die frühere IS-Anhängerin Leonora M. erhoben. Die junge Frau aus der Nähe von Sangerhausen in Sachsen-Anhalt hatte sich in ihrer Jugend radikalisiert und war 2015 mit damals 15 Jahren nach Syrien gereist, um sich dem IS anzuschließen. Dort heiratete sie den deutschen Islamisten Martin L. und bekam mehrere Kinder. Der ebenfalls aus Sachsen-Anhalt stammende L. war bereits im Jahr zuvor in das Herrschaftsgebiet des „Islamischen Staates“ in Syrien gezogen und gehörte nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden dem IS-Geheimdienst Amniyat an. Er soll in engem Kontakt zum inzwischen verurteilten Hildesheimer Prediger Abu Walaa gestanden haben, den die Sicherheitsbehörden als den ranghöchsten Vertreter des IS in Deutschland betrachten.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Vor allem Leonoras Vater hatte lange versucht, seine Tochter zur Rückkehr zu überreden. Seit der militärischen Niederlage des „Kalifats“ 2019 hatte sie mit ihren Kindern in verschiedenen Lagern im Norden Syriens festgesessen, bis es ihr im Dezember vergangenen Jahres schließlich gelang, nach Deutschland zurückzukehren. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr nun vor, sich in drei Fällen als Mitglied an einer ausländischen terroristischen Vereinigung beteiligt zu haben. Zudem werden ihr Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- sowie das Waffengesetz zur Last gelegt. In der Anklageschrift zeichnet die Anklagebehörde M.s Geschichte nach.

          Terror-Unterstützung durch den Dienst im Haushalt

          Von der Türkei aus gelangte das damals 15 Jahre alte Mädchen demnach mithilfe von Schleusern in das Herrschaftsgebiet des IS in Syrien. Zunächst kam sie für drei Tage in einem Frauenhaus des IS unter. Nachdem Martin L. sie als „Drittfrau“ geheiratet hatte, nahm der IS sie formell auf und registrierte sie als Angehörige der Terrororganisation. Bis Juni 2017 soll Leonora M. dann in Raqqa gelebt haben. Sie habe den Haushalt entsprechend den ihr nach der IS-Ideologie obliegenden Pflichten versehen und ihrem Ehemann dadurch seine Tätigkeit für den IS ermöglicht. Als Martin L. im Juni 2015 an Kämpfen teilnahm, soll sie ihn darin gefördert haben, indem sie sein Testament bei einem IS-Gericht hinterlegte.

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          Zudem habe sie L. im Sommer 2015 ein Bewerbungsschreiben für eine Stelle beim IS-Geheimdienst verfasst, wo L. bis April 2017 tätig gewesen sei. Daneben war die junge Frau der Anklage zufolge auch „eigenständig“ für den IS tätig. So soll sie eine Weile in einem IS-Krankenhaus gearbeitet, für den Amniyat andere Frauen ausgeforscht und eine in Deutschland lebende Frau zur Ausreise in das Herrschaftsgebiet des IS aufgefordert haben. Von der Terrororganisation erhielt sie für ihre Tätigkeiten offenbar ein regelmäßiges Gehalt. Zudem verfügte sie zeitweise über eine halbautomatische Selbstladepistole und ein Sturmgewehr.

          Der Vorwurf der Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit fußt darauf, dass Leonora M. den Menschenhandel ihres Mannes unterstützt haben soll, indem sie eine 33 Jahre alte Jesidin als Sklavin „kaufte“. Auf Geheiß ihres Mannes soll sie die geschädigte Frau körperlich gepflegt haben, um sie „gewinnbringend“ weiterzuverkaufen.

          Gegen Ende des „Kalifats“ zog M. mit ihren Kindern wegen der schnellen Verluste in den Resten des IS-Gebiets umher, bis sie sich Ende Januar 2019 kurdischen Einheiten stellte. Im Dezember 2020 wurde sie schließlich mit zwei anderen Frauen und insgesamt zwölf Kindern aus einem Gefangenenlager in Nordsyrien nach Deutschland geflogen. Ihr früherer Ehemann Martin L. soll sich weiterhin in kurdischen Lagern befinden und sich um seine Rückkehr bemühen. Der Prozess soll nun vor dem Oberlandesgerichts Naumburg stattfinden.

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