https://www.faz.net/-gpf-7gjip

„Irrige Positionen“ : Grüne Spitzenkandidaten loben Pädophiliestudie

  • Aktualisiert am

Die grünen Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin starten an diesem Montag ihre Wahlkampftour in Berlin Bild: dpa

Die Grünen hätten „irrige Positionen“ zur Pädophilie seit Jahrzehnten aufgegeben. Das bestätige die Studie des Parteienforscher Franz Walter, heben die Spitzenkandidaten der Grünen, Kathrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, hervor. Aus der Union kommen dennoch Rufe nach Rücktritten.

          2 Min.

          Die Erkenntnisse des Parteienforschers Franz Walter über den einstigen Einfluss Pädophiler auf die Programmatik der Grünen sind von den Spitzenkandidaten der Partei nur knapp kommentiert worden. Kathrin Göring-Eckardt lobte, dass Walter bestätigt habe, dass die Grünen diese Positionen „seit 20 oder 25 Jahren definitiv aufgegeben“ haben. Jürgen Trittin sagte, Walter habe „sehr zutreffend die absurden und irrigen Vorstellungen“ geschildert, denen Teile der Grünen einst gefolgt seien. Er habe aber auch klar gemacht, dass die Partei diese Vorstellungen unterbunden habe.

          Der frühere FDP–Generalsekretär Günther Verheugen bestritt von Walter erhobene Vorwürfe, er habe einst eine Straffreiheit pädophiler Handlungen für möglich gehalten. Er habe sich nie für eine Legalisierung von Pädophilie eingesetzt, teilte Verheugen am Montag mit. Er könne ausschließen, sich jemals zu diesem Thema geäußert zu haben. „Ich halte das Vorgehen von Walter für extrem unseriös“, sagte Verheugen.

          Die Wiesbadener FDP-Politikerin Dagmar Döring

          Die am Samstag wegen eines Aufsatzes über Pädophilie von ihrer Bundestagskandidatur zurückgetretene FDP-Politikerin Dagmar Döring gab unterdessen ihre Absicht bekannt, Vorsitzende der „Liberalen Frauen Hessen“ zu bleiben. Dem Vernehmen nach soll Döring dem Vorstand der parteinahen Gruppierung vorgeschlagen haben, erst in den nächsten Tagen über ihre Zukunft zu beraten.

          Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn sagte, dass es sich bei den „Liberalen Frauen“ um eine „Vorfeldorganisation“ seiner Partei handele. Er werde nicht eingreifen und „von oben herab“ über einen möglichen Rücktritt Dörings bestimmen. „Das muss sie selbst entscheiden.“

          Steinbach forderte Rücktritte von Beck und Cohn-Bendit

          Vor dem Hintergrund von Dörings Verzicht auf ihre Kandidatur forderte die Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach die ebenfalls durch Pädophilie-Vorwürfe belasteten Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und Volker Beck auf, dem Vorbild Dörings zu folgen. „Wann tun V. Beck und Cohn-Bendit diesen Schritt?“, fragte Steinbach über den Internetdienst „Twitter“.

          Die hessische CDU-Fraktion nahm den Rückzug von Döring „mit Respekt“ zur Kenntnis. Vor drei Wochen hatte die hessische CDU noch umfassende Aufklärung von den Grünen über ihre pädophile Vergangenheit gefordert. Obwohl Döring öffentlich ihren Verzicht auf eine Bundestagskandidatur bekannt gegeben hat, wird ihr Name am Wahltag weiter auf den Stimmzetteln stehen. Die Rücknahme eines schon zugelassenen Wahlvorschlages sei rechtlich nicht möglich, sagte die Wiesbadener Kreiswahlleiterin. Dies sei nur bis zum Zeitpunkt der Zulassung des Wahlvorschlags durch den Wahlausschuss möglich.

          Döring – die 53 Jahre alte frühere Pressesprecherin der hessischen FDP – hatte am Samstag den Verzicht auf ihre Kandidatur im Wiesbadener Bundestagswahlkreis 179 erklärt und sich gleichzeitig von Äußerungen aus ihrer Zeit als Aktivistin der Pädophiliebewegung vor 33 Jahren distanziert. Zuvor war sie von dieser Zeitung mit einem von ihr 1980 verfassten Aufsatz in dem Sammelband „Pädophilie heute“ konfrontiert worden. Der Parteienforscher Walter hatte sie schon Tage zuvor über diesen Fund informiert, ohne Einzelheiten zu nennen. In dem Aufsatz hatte Döring die Straffreiheit von Sex mit Kindern gefordert und über eigene erotische Erfahrungen berichtet, von denen sie später sagte, es habe sich um fiktive Schilderungen gehandelt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund.

          Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

          In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.