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Interview mit Olaf Scholz : „Die CDU ist nicht Mitte, sie wäre es gerne“

  • Aktualisiert am

„Ich trinke auch gern ein Bier”: Arbeitsminister Olaf Scholz Bild: Christian Thiel / F.A.Z.

Olaf Scholz (SPD) ist ein Freund schneller Autos, trinkt gerne Bier, will aber auch schnell abnehmen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der Arbeitsminister über Privates. Doch er erklärt auch die Vorzüge der großen Koalition.

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          Olaf Scholz hat kaum die Nachfolge von Franz Müntefering angetreten, erzählt der Arbeitsminister schon über schnelle Autos, schnelles Abnehmen und schnelles Geld. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der Arbeitsminister nicht nur über Privates. Er erklärt auch die Vorzüge der großen Koalition.

          Sind Sie ein Freund schneller Autos, Herr Scholz?
          Ja.

          Was für ein Auto fahren Sie?
          Privat ein rotes BMW-Coupé. Das ist zwar schon fünfzehn Jahre alt, aber ordentlich motorisiert.

          Sie gönnen sich gern ein Glas guten Rotwein. Muss ein Sozialdemokrat nicht Biertrinker sein?
          Ich trinke auch gern ein Bier. In meinem Wahlkreis wird ein gutes gebraut. Vor allem aber: Ich trinke seit einem Jahr gar keinen Alkohol, um schneller abzunehmen.

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          Und, klappt's?
          Mein Ziel sind siebzig Kilo, ich bin nur noch eins davon entfernt.

          Sogar mit dem Joggen haben Sie angefangen. Sind Sie ein Meister der Disziplin?
          Ich bin ein disziplinierter Arbeiter. Aber ein Meister der Disziplin - darunter stelle ich mir einen anderen Menschen vor als denjenigen, für den ich mich halte.

          Verstehen Sie, warum Sie den Spitznamen „Scholzomat“ haben?
          Ja. Das war ein witziger Einfall eines Journalisten. Ich hatte als Generalsekretär die Aufgabe, die Politik der SPD zu erklären. Wenn ich hundertmal die gleiche Frage gestellt bekam, musste ich hundertmal die gleiche Antwort geben. Das war nicht ganz so spannend.

          Das muss jeder Generalsekretär.
          Ja, aber es gibt Zeiten, in denen das einfacher ist, in anderen ist es schwieriger. Die Agenda 2010 zu erklären war nicht leicht und das Thema zu ernst für lockere Sprüche.

          Belastet Sie das Laufen in den großen Schuhen Ihres Vorgängers Müntefering?
          Ich kann Arbeitsminister.

          "Die Überwindung der kapitalistischen Ökonomie muss zu den Zielsetzungen der Sozialdemokratie zählen." Vom wem stammt das?
          Das haben viele gesagt, ich auch.

          Stimmt, Ende der achtziger Jahre, als Sie immer noch auf dem marxistischen Flügel der Jusos zu finden waren. Wie kommt man auf so einen Unsinn?
          Mit siebzehn trat ich in die SPD ein, mit fünfundzwanzig war ich stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos. Damals war das meine Überzeugung. Die war falsch. Heute habe ich durchdachtere Positionen. Ich habe aber nicht viel übrig für Leute, die ihre Vergangenheit ungeschehen machen wollen. Dass sich jemand zwischen seinem siebzehnten und seinem fünfzigsten Lebensjahr intellektuell, politisch und persönlich weiterentwickelt, halte ich nicht für eine Schande - im Gegenteil.

          Man liest, Sie seien damals aus der linken Glaubensgemeinschaft exkommuniziert worden?
          Keine Ahnung, worauf Sie anspielen, aber vermutlich haben Sie recht.

          Als Generalsekretär wollten Sie den "demokratischen Sozialismus" aus dem Parteiprogramm tilgen. Nun steht er wieder drin.
          Ich kann damit leben. Immerhin steht der Begriff für den Kampf gegen den Wilhelminismus, gegen den Nationalsozialismus, gegen die kommunistische Diktatur und für die Freiheit. Das ist identitätsstiftend für meine Partei. Der Begriff gereicht der SPD zur Ehre, die Partei muss sich seiner nicht schämen. Allerdings sagt er wenig über die Gestaltung der Zukunft aus; daher meine Bedenken. Was man nun aber aus der Union zu diesem alten Begriff hört, ist geschichtsblind und lächerlich.

          Ihr Vater war erst Handelsvertreter, später Manager. Kommen Sie aus kleinen Verhältnissen, oder sind Sie das Kind reicher Eltern?
          Mit beiden Formulierungen kann man die Wirklichkeit falsch beschreiben. Meine Eltern haben sich hart vorangearbeitet, und das ist das eigentlich Prägende meines Elternhauses.

          Angela Merkel hat auf dem CDU-Parteitag viel Beifall dafür bekommen, als sie die Höhe von Managergehältern kritisiert hat.
          Ich habe alles mitgeschrieben. Man sollte solche Ankündigungen nur machen, wenn man auch bereit ist, Konsequenzen zu tragen.

          Was sollte die Politik denn Ihrer Meinung nach tun?
          Erstens: Wir brauchen mehr Transparenz. Die heimlichen Gehalts- und Einkommensbestandteile, die sich in manchem Vertrag wiederfinden, gehören schon der Aktionäre wegen ans Tageslicht. Sie müssen wissen, was ihre aktiven und pensionierten Vorstandsmitglieder kosten. Zweitens könnte sich ein Blick Richtung Vereinigte Staaten lohnen: Da lassen sich die Managergehälter nur in begrenztem Umfang vom steuerlichen Gewinn des Unternehmens abziehen.

          Postchef Klaus Zumwinkel hat seine Einnahmen um vier Millionen Euro aufgebessert. Er hat seine Postaktien verkauft, nachdem die Aktie durch die Mindestlohnentscheidung gestiegen war. Ein vorbildhaftes Managerverhalten?
          Ich hätte ihm nicht dazu geraten.

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