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Interview mit Michael Billen : „Als wären die Politiker Heilige“

Michael Billen bei der Jagd auf dem Hochsitz Bild: Marcus Kaufhold

Typen wie Michael Billen gibt es nicht mehr viele in der CDU. Nach 24 Jahren im Landtag hört er auf. Warum kann er mit der heutigen Politik wenig anfangen?

          6 Min.

          Herr Billen, Ihr Abschied aus dem rheinland-pfälzischen Landtag ist wegen Corona leise ausgefallen. Tut Ihnen das leid?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Nein. Ich werde die, die es wert sind, zu mir auf den Hof nach Kaschenbach einladen. Dann werden wir zusammen einen Guten saufen. Bei Abschieden gibt es sowieso viel Scheinheiligkeit. Dabei ist es in der Politik doch so: Wenn du weg bist, bist du weg.

          Nur in der Politik?

          Da ist es noch ausgeprägter als anderswo. Denn die, die in der Politik bleiben, müssen jeden Tag Gespräche führen, wenn sie irgendwas umsetzen wollen. Und du bist dann kein Gesprächspartner mehr. Weil du keine Stimme mehr hast, kein Stimmrecht. Es gibt also keinen Grund mehr, mit dir zu sprechen. Das war schon bei meinem Vater so, der war von 1951 bis 1971 im Landtag. Der hat, nachdem er aufgehört hat, noch mit drei Leuten Kontakt gehalten. Einer davon war zwar der Helmut Kohl. Ein anderer ein Staatssekretär. Gute Kontakte. Aber es waren drei. Ende.

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