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Interview mit Franz Josef Jung : „Die Bundeswehr ist keine Hilfspolizei“

  • Aktualisiert am

Jung im Kosovo Bild: picture-alliance/ dpa

Verteidigungsminister Jung im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Einsätze der Bundeswehr im Kongo und bei der Fußball-WM, über Wehrgerechtigkeit, mögliche Sanktionen gegen Iran und den Streit mit zwei Bundeswehr-Generälen.

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          Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Einsätze der Bundeswehr im Kongo und bei der Fußball-WM, über Wehrgerechtigkeit und mögliche Sanktionen gegen Iran.

          Vor kurzem hat die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, deren Vorsitzender Sie waren, Sie verabschiedet. Sind Sie jetzt in der Bundespolitik angekommen?

          Trotz aller Wehmut, die der Abschied aus Hessen nach 22 Jahren mit sich bringt, habe ich große Freude an den neuen Herausforderungen. Ich bin jetzt Bundestagsabgeordneter und beschäftige mich als Bundesminister der Verteidigung mit der Sicherheitspolitik, und ich bewege mich nun häufig auf der internationalen Bühne. Ich treffe die Verteidigungsminister der europäischen Verbündeten, war beim amerikanischen Verteidigungsminister Rumsfeld zu Gast.

          Was macht mehr Spaß: Mit Donald Rumsfeld diskutieren oder mit den hessischen Grünen?

          Mit den Grünen gab es immer sehr harte Auseinandersetzungen, meine Begegnung mit Rumsfeld verlief dagegen freundschaftlich.

          Mit der Wahl des iranischen Präsidenten Ahmadineschad ist das Szenario eines Atomkriegs wiederaufgetaucht. Eine reale Gefahr?

          Nein, eine reale Gefahr ist es nicht. Allerdings hatte ich mir bis zur Wahl Ahmadineschads nicht vorstellen können, daß es noch mal einen Präsidenten geben wird, der den Holocaust leugnet. Das ist verabscheuungswürdig. Jetzt müssen wir, die Europäer, zusammen mit den Vereinigten Staaten, aber auch unter Beteiligung Rußlands und Chinas, mit allen Kräften verhindern, daß Iran Atomwaffen bekommt. Noch bin ich optimistisch, daß wir eine diplomatische Lösung erreichen. Eine internationale Isolation kann nicht im Interesse der Regierung in Teheran sein.

          Der französische Präsident hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, Atomraketen gegen Iran einzusetzen. Eine gute Idee?

          Wir sollten nicht in diese Richtung diskutieren. Wie gesagt: Ich bevorzuge eine diplomatische Lösung.

          Einer Ihrer Vorgänger als Verteidigungsminister, Rupert Scholz, hat jetzt eine Diskussion über deutsche Atomwaffen angestoßen.

          Davon halte ich überhaupt nichts. Wir sind integriert in die EU, in die Nato, aktives Mitglied der Vereinten Nationen und verfügen über Gestaltungsmöglichkeiten. Da haben wir den notwendigen Schutz, den wir brauchen.

          Halten Sie es für denkbar, mit Wirtschaftssanktionen gegen Iran vorzugehen?

          Man kann nicht ausschließen, daß es auch zu wirtschaftlichen Konsequenzen gegen Iran kommt. Aber wenn es gelingt, Rußland und China in eine gemeinsame Strategie einzubinden, dann habe ich die Hoffnung, daß es auch ohne Wirtschaftssanktionen gelingt, Iran von seinen offensichtlichen Plänen, sich Atomwaffen zu beschaffen, abzubringen.

          Immer wieder wurde erörtert, deutsche Kontingente an einer möglichen Friedenstruppe im Nahen Osten zu beteiligen. Falls sich der israelisch-palästinensische Konflikt nach dem Wahlsieg der Hamas zuspitzt, ist das eine Möglichkeit?

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