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Interview mit Greser & Lenz : „Wir haben unsere Zeichentische nach Mekka ausgerichtet“

  • Aktualisiert am

Bild: Greser&Lenz

Einige der ermordeten Kollegen von „Charlie Hebdo“ kannten sie persönlich. Bei manchen F.A.Z.-Lesern sorgen ihre Karikaturen auch zu religiösen Themen nicht nur für Erheiterung. Ein Gespräch mit den Zeichnern Achim Greser und Heribert Lenz nach dem Anschlag von Paris.

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          Herr Greser, Herr Lenz, fühlen Sie sich nach dem Anschlag in Paris bedroht?

          Wir sind hier in Aschaffenburg, da gibt es als einzige Hinweise auf eine islamische Kultur zwei Döner-Buden – gute übrigens. Nein, bisher ist das über den Schrecken eines medialen Ereignisses nicht hinausgegangen.

          Sind Sie schon einmal wegen religiöser Zeichnungen angegriffen worden?

          Im Fall Erdogan, so hieß in einer unserer Zeichnungen ein Hund, gab es hässliche Anrufe und Mails von osmanisch stämmigen Mitbürgern.

          Aber das war ja ein weltlicher Witz.

          Ja, aber Erdogan hat selbst gesagt, das wäre ein Angriff auf den Islam gewesen. Das ist natürlich eitel und lächerlich.

          Und wie sind sonst die Reaktionen auf Witze über Religionen?

          Witze auf Kosten von Religionen haben das größte Empörungspotential. Es ist aber auch für jeden ein Leichtes zu sagen, er werde in seinen religiösen Gefühlen verletzt. Als jemand, der sich zum Beispiel durch die entfesselte Kakophonie digitaler Verlautbarungen und Bekenntnisse, egal ob säkularer oder religiöser Art, in seiner Intelligenz und seinem Gemütshaushalt verletzt fühlt, hat man es nicht so einfach, seiner Empörung Gehör zu verschaffen. Wir haben allerdings nie Mohammed selbst zum Thema gemacht.

          Warum nicht?

          Es gibt keinen Gottesbeweis und keinen für seine Nichtexistenz. Die Leute sollen sich selbst verhalten. Wir wollen ja auch keinem Kind den Glauben an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen nehmen. Ganz im Gegenteil, das sind doch wunderbare Geschichten, möglicherweise der kleinste und letzte gemeinsame Nenner unserer Kultur. Wenn aber im Namen eines Gottes oder Propheten Schindluder getrieben wird, sehen wir uns aufgefordert, mit unseren Mitteln dagegen einzuschreiten.

          Gibt es Grenzen für Satire?

          Nein. Satire ist ein unverzichtbares Korrektiv für die Entwicklung von freien, demokratischen Gesellschaften, die geschmackliche Grenzüberschreitung ist ihr Wesensmerkmal. Das Problem ist offenbar, dass es im Islam, dieser vergleichsweise jungen Religion, an Toleranz fehlt, jedenfalls sind die Defizite in Sachen Aufklärung groß.

          Haben Sie jetzt eine Schere im Kopf nach dem Anschlag in Paris?

          Man braucht schon etwas Zeit um sich wieder an die Arbeit zu begeben. Wir kannten auch einige der ermordeten Zeichner von „Charlie Hebdo“ persönlich. Das geht einem schon nahe. Aber wir haben jetzt sicherheitshalber unsere Zeichentische nach Mekka ausgerichtet.

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