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Im Gespräch: Carsten Sieling : „Gabriel hatte seine Zeit“

„Wir sollten zeigen, dass wir mit unseren Bundesministern solide die guten Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen umsetzen.“ Bild: dpa

Carsten Sieling spricht im Interview über die Zukunft der SPD. Der Bremer Bürgermeister glaubt nicht, dass Gabriel Außenminister bleiben kann. Zu stark sei der Widerstand in der eigenen Partei.

          Herr Bürgermeister, anders als geplant hat nicht Andrea Nahles, sondern Ihr Hamburger Kollege Olaf Scholz kommissarisch die Führung der SPD übernommen. Bedeutet das einen Dämpfer für die Ambitionen von Andrea Nahles auf den Parteivorsitz?

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Nein. Der Parteivorstand hat Andrea Nahles mit einem sehr guten Ergebnis als Kandidatin für den Parteivorsitz nominiert. Das zeigt die hohe Wertschätzung, die sie in der Partei mittlerweile erfährt. Sie war ja in der Vergangenheit durchaus auch umstritten.

          Glauben Sie, dass es einen offenen Wettbewerb um den Parteivorsitz geben wird? Es haben sich ja auch schon Herausforderer gemeldet ...

          Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich sehe keine ernsthaften Herausforderer. Ich bin nicht einmal sicher, ob die Oberbürgermeisterin aus Flensburg ihre Kandidatur aufrechthält.

          Welches Signal sollte die SPD bei der Besetzung ihrer Ressorts setzen, falls es zu einer Koalition mit der Union kommt?

          Wir sollten zeigen, dass wir mit unseren Bundesministern solide die guten Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen umsetzen. Und dass die Regierungsmitglieder der SPD sicherstellen werden, dass es kein „Weiter so“ gibt.

          Hat sich Außenminister Sigmar Gabriel mit seinen Äußerungen über Martin Schulz – der „Mann mit den Haaren im Gesicht“ – für einen Verbleib im Kabinett disqualifiziert?

          Das war ein weiterer Tropfen in ein sowieso schon sehr volles Fass. Dadurch haben sich noch mehr Leute von ihm distanziert. Sigmar Gabriel hatte seine Zeit und sich große Verdienste für die SPD erworben. Er war ja nicht umsonst so lange SPD-Vorsitzender.

          Gabriel kann also nicht Außenminister bleiben?

          Ich glaube, dafür ist der Widerstand in der Partei zu groß.

          Weiß Gabriel das selbst auch?

          Ich denke, er weiß es. Nur bedeutet die Tatsache, dass er es weiß, nicht unbedingt auch, dass er es akzeptiert.

          In Bremen stehen im kommenden Jahr Bürgerschaftswahlen an. Wie wollen Sie sich bis dahin aus dem Abwärtstrend der Bundes-SPD befreien?

          In Bremen wählt man traditionell bremisch. In den Stadtstaaten spielt die Bundespolitik bei Wahlen gewöhnlich eine geringere Rolle, man schaut stattdessen auf das, was vor Ort wichtig ist.

          Sie hatten sich für den Reformationstag als neuen Feiertag in Bremen und in Norddeutschland eingesetzt. Nächste Woche steht das Thema in der Bürgerschaft zur Abstimmung an. Bekommt Bremen als erstes Land den geplanten neuen Feiertag im Norden?

          Der Reformationstag ist aus meiner Sicht die richtige Wahl. In der Diskussion hat der 31. Oktober den stärksten Rückhalt und die größte gesellschaftliche Verankerung. Wir wollen in Bremen aber keine Insellösung, sondern eine gemeinsame norddeutsche Lösung. Ich habe den Fraktionsvorsitzenden deshalb auch vorgeschlagen, dass wir die Frage nächste Woche diskutieren können, aber noch keine Entscheidung treffen müssen. Ich möchte eine zeitliche Parallelität, vor allem mit Niedersachsen.

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