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Breitbandausbau : Die Internet-Lüge

Mobilfunklösungen auf der anderen Seite sind stark wetterabhängig. Bei Bewölkung oder Schnee können sowohl das Mobiltelefon als auch das Internet ausfallen. Als nächste Initiative schwebt dem Land ein Hotspot-Projekt für die Gebiete vor, in denen sich die Touristen vorzugsweise bewegen, also auf Campingplätzen, Wasserwegen und Fahrradwegen. Allerdings sei noch nicht geklärt, wie das finanziert werden soll.

Keine gute Verbindung, kein guter Preis: 200 Euro für langsames Internet

Renate Strohm, die in einer ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft einen Biohof betreibt und ihn zum Erlebnishof für Touristen ausbauen will, ist auf das Internet angewiesen. Als promovierte Agrarwissenschaftlerin arbeitet sie auch für die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig. Außerdem beteiligt sie sich an einem europäischen Projekt zum gemeinsamen historischen Erbe des 30-jährigen Krieges mit Finnland und Schweden. „Immer bin ich diejenige, die bei Videokonferenzen absäuft“, sagt sie. Die finnischen und schwedischen Partner des Kulturprojekts sind fassungslos, weil die Finnen hochleistungsfähige Internetverbindungen bis in fast jeden Winkel Lapplands haben. Die Schweden konnten nicht glauben, dass es in den meisten Hotels in Neuruppin, wo sie bei einem Besuch untergebracht waren, kein Internet gab.

Strohm gehört zu denjenigen, die sich nur über das Mobilfunknetz mit dem Internet verbinden können. In unmittelbarer Nähe ihres Hofes steht ein Funkmast der Firma Vodafone. An Fernsehen im Internet oder gar das Herunterladen von Filmen ist für Strohm nicht zu denken. Spätestens dann, wenn die hinteren Gebäude ihres Hofes zu Zimmern oder Wohnungen für Feriengäste umgebaut sind, wird das Mobilfunknetz ohnehin nicht mehr ausreichen. Und selbst die Kosten für Strohms unzureichende Mobilfunkverbindung sind höher als in jeder Großstadt – bis zu 200 Euro im Monat.

Sie sei durch ihre selbständige und freiberufliche Tätigkeit auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen, sagt Strohm. Sie hätte jede Menge Ideen, wie man mit einem gut funktionierenden Internet die Arbeit auf dem Hof erleichtern könnte. Eine Plattform für Praktikanten in landwirtschaftlichen Betrieben würde sie gerne einrichten, aber das scheitert schon daran, dass mögliche Interessenten auch kein funktionierendes Internet hätten oder sich die teuren Mobilfunkverbindungen nicht leisten könnten.

16 Megabit für 315 Gemeinden – die Telekom baut aus

Eine Sprecherin der Telekom bekräftigt gegenüber dieser Zeitung, dass ihr Unternehmen drei bis vier Milliarden im Jahr in den Netzausbau investiere. Sie verweist aber auch darauf, dass allein die Tiefbauarbeiten für die Verlegung von einem Kilometer Glasfaserkabel rund 60000 Euro kosteten. „Wir können nur dort investieren, wo wir die Chance haben, unser Geld zurückzuverdienen“, sagt sie.

Immerhin habe die Telekom bis zum Ende des vergangenen Jahres 315 Gemeinden mit schnellem Internet versorgen können. Die meisten Gebiete könnten Geschwindigkeiten von bis zu 16 Megabit pro Sekunde nutzen, die Bandbreite richte sich immer nach der Entfernung zum nächsten Kabelverzweiger. Mit ihrer Initiative „Mehr Breitband für Deutschland“ habe die Telekom viele Projekte bündeln können, die sie nicht allein hätte leisten können, so die Sprecherin.

Geht eine Gemeinde eine Partnerschaft mit der Telekom ein, bekommt sie Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln vom Bund, den Ländern und der EU, es sei denn, es gibt schon eine LTE-Versorgung. Die Telekom finanziert in solchen Fällen den Breitbandausbau, die Gemeinde aber muss Leerrohre bereitstellen, den Tiefbau übernehmen und sich finanziell beteiligen. Lohnend ist das nur, wenn die Anzahl der interessierten Bürger groß genug ist.

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