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Internationaler Karlspreis : UN-Generalsekretär Guterres redet Europa ins Gewissen

Antonio Guterres am Donnerstag in Aachen Bild: EPA

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen nimmt die EU in schwierigen Zeiten in die Pflicht. Migranten zu Sündenböcken abzustempeln sei eine Schande.

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          Einmal im Jahr, am Himmelfahrtstag geben sich im prachtvollen Krönungssaal des Aachener Rathauses führende Europapolitiker und geladene Bürger ein Stelldichein. So war es auch am Donnerstag, als der Portugiese António Guterres, früherer portugiesische Ministerpräsident und derzeitiger Generalsekretär der Vereinten Nationen, für seine Verdienste um die Förderung des europäischen Gedankens mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet wurde. Es gab die üblichen Lobreden des Aachener Bürgermeisters Marcel Philipp sowie – in diesem Jahr - des spanischen Königs Felipe VI.  auf den Preisträger. Nach der traditionell vom Publikum mitgesungen „Karlshymme“ aus dem 12. Jahrhundert, nutzte Guterres seine Dankesrede dazu, den Zuhörern im Saal, aber auch den Europäern im Allgemeinen, mächtig ins Gewissen zu reden. Rar gemacht hatten sich im Krönungssaal, anders als noch 2018, am Donnerstag Vertreter der Bundesregierung.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Im Vorjahr hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Laudatio auf den damaligen Preisträger Emmanuel Macron gehalten. Hatte der französische Staatspräsident damals in Aachens ein flammendes Plädoyer für mehr europäische Integration vorgetragen, so stellte der 70 Jahre alte diesjährige Preisträger Guterres am Donnerstag die Verantwortung der EU-Partner in einer Zeit „weltpolitischer Unordnung“ in den Mittelpunkt. Er sei als „bekennender Europäer“ nach Aachen gekommen, sagte Guterres und kleidete seine „Hauptbotschaft“ in die Worte: „Als Generalsekretär der Vereinten Nationen habe ich die Notwendigkeit eines starken und geeinten Europas nie so klar und deutlich gespürt wie jetzt.“

          Die Diagnose des Sozialdemokraten, der vor seiner Berufung zum UN-Generalsekretär rund ein Jahrzehnt lang das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) geleitet hatte, klang durchaus besorgniserregend: Demographischer und Klimawandel, dadurch verstärkten Migration sowie die Umwälzungen im digitalen Zeitaltern stellten Herausforderungen dar, die mit der Gefahr von Konfrontationen einhergingen.  Andererseits stehe der Multilateralismus gerade in einer Zeit, in der er besonders gebraucht werde, unter Beschuss.

          Die Europäische Union, die seit mehr als einem halben Jahrhundert den Interessenausgleich erfolgreich praktiziert habe, sieht Guterres nun besonders in der Pflicht. „Die Vereinten Nationen brauchen ein starkes und geeintes Europa“, sagte der UN-Generalsekretär. Er beklagte, dass auch der Alte Kontinent ein „Wiederaufflammen populistischer, ethnischer, religiöser und nationalistischer Leidenschaft“ erlebe. Europa müsse sich seiner Grundwerte besinnen. „Migranten zu Sündenbocken zu machen und unsere Türen für Asylsuchende zu schließen ist kein Schutz, sondern eine Schande für dieses Erbe, rief Guterres.

          In seiner Laudatio auf den Preisträger erinnerte König Felipe VI., Schirmherr des Karlspreises, an den gemeinsam beschrittenen Weg seiner Heimat und der portugiesischen Nachbarn aus der Diktatur in die Demokratie und schließlich - 1986 – in die EU. Der König würdigte Guterres als „großen Europäer und Weltbürger“.  Der Preisträger verkörpere das Streben nach einer multilateralen Weltordnung auf der Grundlage der gemeinsamen Werte und Ziele der Vereinten Nationen und der Europäischen Union, sagte das spanische Staatsoberhaupt.

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