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Internationale Pressestimmen : „Ein eiserner Kanzler“

  • Aktualisiert am

Die bronzene Porträt-Büste Helmut Kohls in Berlin ist Bestandteil des Denkmals „Väter der Einheit“ des französischen Bildhauers Serge Mangin. Bild: dpa

Helmut Kohl wird nach seinem Tod europaweit in Zeitungen gewürdigt. Im Mittelpunkt stehen seine Rolle als Kanzler der Einheit und seine Verdienste für die Einigung des Kontinents.

           „Vielleicht der glücklichste Kanzler Deutschlands“, titelt die italienische Zeitung „La Repubblica“ mit Blick auf Kohls Verdienste um die deutsche Einheit. Doch auch von der „Tragik Helmut Kohls“ ist die Rede. Eine Auswahl der internationalen Pressestimmen vom Samstag.


          Guardian (Großbritannien)

          „Kohl mag sich von Bismarck so sehr unterschieden haben wie Bonn von Berlin. Aber er war ebenso sehr ein Eiserner Kanzler, eisern hinsichtlich seiner Ausdauer, unerschütterlich in seinem Selbstvertrauen. Der Autor mehrerer Bücher, darunter Memoiren, der einst als Helmut II. verspottet wurde, weil er so viel glanzloser war als Helmut I., also Helmut Schmidt, bekommt auch in den Geschichtsbüchern seine Rache: Es war Kohl, nicht Schmidt, der bereitstand, als der Zug zur deutschen Wiedervereinigung vorbeirollte.“


          La Repubblica (Italien)

          „Vielleicht war Helmut Kohl der glücklichste Kanzler Deutschlands. Der, der die schmerzhafteste Wunde geschlossen hat, die, die nach dem Krieg Millionen von Familien in zwei geteilt und zerstört hat und halb Berlin in eine Gefangenen-Enklave in Ostdeutschland verwandelt hatte. (...)“


          de Volkskrant (Niederlande)

          „Wie jeder andere war auch Helmut Kohl überrascht von den schnellen Entwicklungen im November 1989. Aber er reagierte darauf auch blitzschnell. Ungeachtet des Widerstands der britischen Premierministerin Margaret Thatcher (mit ihren berühmt gewordenen Sprüchen: „Mir sind zwei Deutschland lieber als eins.“ und „Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen. Jetzt sind sie wieder da.“) und des Zögerns des französischen Präsidenten François Mitterrand (wird Europa nun ein „deutsches Europa“?) ergriff Kohl die Chance.“


          Neue Zürcher Zeitung (Schweiz)

          „Natürlich lässt sich an einzelnen Entscheidungen von Spitzenpolitikern immer herummäkeln. Kohl machte dabei keine Ausnahme. Die wahre Größe von Staatsmännern zeigt sich, wenn sie im richtigen Augenblick das Richtige tun. Als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel, wusste Kohl intuitiv, was die Stunde geschlagen hatte. Er sah die Chance und ergriff sie. Er, dem immer nachgesagt worden war, Probleme auszusitzen, ging hohe Risiken ein.“

          Tages-Anzeiger (Schweiz)

          „Gewiss, es war auch ein historischer Zufall, der Kohl zum gefeierten Vater der deutschen Einheit machte. Wäre die Mauer nicht gefallen, hätte er dazu vielleicht nie die Chance gekriegt. Doch es stimmt auch, dass der Kanzler in den entscheidenden Monaten 1989/90 sehr viel richtig gemacht hat. Die Skepsis gegen die deutsche Wiedervereinigung war anfänglich groß. Nicht nur in Moskau, auch in Paris und London. An eine Eingliederung eines neuen Deutschland in die Nato wagte man gar nicht zu denken  – zu strikt waren die Sowjets dagegen. Doch Kohl gelang das Unmögliche.“

          De Standaard (Belgien)

          „Helmut Kohl, der Mann der deutschen Einheit, der Verankerung des vereinten Deutschlands in Europa und des Euro, der die europäische Einheit unumkehrbar machen soll, vermisste bei vielen der heutigen europäischen Spitzenpolitiker europäischen Idealismus. Zu seinen letzten Worten gehörte die Mahnung, dass viel auf dem Spiel stehe, es gehe um unsere Zukunft und „unsere Zukunft heißt Europa“.“

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