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Iglu- und Pisa-Studie : Deutsche Grundschüler holen auf

Auf Platz zwei der Rangliste liegt Hongkong, auf Platz drei die kanadische Provinz Alberta, Deutschland liegt unmittelbar hinter Schweden auf Platz elf der Rangliste. Werden die schwächeren Schüler in Deutschland ausgenommen, nimmt es einen Spitzenplatz ein. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der Berliner Bildungssenator Zöllner (SPD) sagte, Iglu zeige, dass Deutschland auch im Grundschulbereich noch immer zu den Staaten mit großen sozialen Ungleichheiten gehöre, das müsse geändert werden.

18,1 Prozent der Viertklässler lesen nie zum Spaß

Wenig überrascht, dass das Interesse an der Hauptschule in ganz Deutschland deutlich zurückgegangen ist. Die Übergangsquote liegt inzwischen bei durchschnittlich 14 Prozent. Es zeichnet sich ein wachsendes Interesse an höherwertigen Bildungsabschlüssen ab. Während Eltern und Lehrer bei der Iglu-Studie 2001 häufig dieselbe Schule bevorzugten, ist die Übereinstimmung bei dieser Studie zurückgegangen, weil die Eltern höhere Bildungsgänge vorziehen. Es gibt durchaus schwache Leser mit Gymnasialpräferenz, aber auch starke Leser, die keine Gymnasialpräferenz erhalten. Bedenklich ist, dass einem Kind aus der oberen Dienstklasse schon bei einem Lesewert von 537 (insgesamt erreicht Deutschland einen Wert von 548 Punkten) der Gymnasialbesuch zugetraut wird, während die Lehrer bei Arbeiterkindern einen deutlich höheren Wert von 614 Punkten erwarten.

Auch Kindern mit Migrationshintergrund wird der Gymnasialbesuch seltener zugetraut als deutschen Kindern. Abgesehen davon, dass die Kinder aus gebildeten Schichten ohnehin mit besserer Unterstützung im Elternhaus rechnen können, müssten institutionelle Lösungen geschaffen werden, die leistungsstarken Kindern aus benachteiligten Familien erfolgreiche gymnasiale Karrieren ermöglichten, forderte Olaf Köller, der das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) leitet. Außerdem müsse das Schulsystem überall so durchlässig werden wie in Baden-Württemberg und Bayern, sagte Wilfried Bos.

Im internationalen Mittel lesen 18,1 Prozent der Viertklässler nie zum Spaß, in Deutschland sind es 14,2 Prozent. Noch immer scheint die leseförderliche Atmosphäre im Elternhaus in Deutschland, die über die Motivation der Kinder wesentlich entscheidet, aber geringer ausgeprägt zu sein als im internationalen Durchschnitt, sie hat sich aber verbessert. Dennoch lesen deutsche Eltern nicht nur seltener mit ihren Kindern als die Eltern anderer Staaten, sie sprechen auch nicht mit ihren Kindern über die Texte und wissen deshalb nicht, ob die Kinder den Text verstanden haben. Die Autoren der Iglu-Studie kritisieren deshalb, dass der Leseunterricht noch zu wenig „kompetenzorientiert“ ablaufe und die Eigenaktivitäten der Schüler zu wenig fördere. Das von den Ländern eingerichtete IQB wird in Abstimmung mit den Landesinstituten deshalb Vorschläge und Materialien zu einem stärker leistungsorientierten Deutschunterricht in der Grundschule bereitstellen.

Neue Pisa-Studie: Fortschritte auch in Naturwissenschaften

Eine weitere positive Nachricht kam am Abend aus Spanien. Laut einem Bericht der spanischen Lehrerzeitung „Magisnet“ vom Mittwoch liegen deutsche Schüler in einer neuen Pisa-Studie beim Umweltwissen und in Naturwissenschaften in der internationalen Spitzengruppe. Laut der Studie landen die 15 Jahre alten Deutschen auf Rang 13 - von insgesamt 57 Staaten. Bei der Pisa-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. Laut OECD sind aber beide Tests wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht direkt vergleichbar.

Die Pisa-Ergebnisse sollen offiziell erst am 4. Dezember präsentiert werden. Die Naturwissenschaften sind erstmals Pisa-Schwerpunkt. Dazu war das gesamte Aufgabenspektrum umgestellt und vor allem Umweltwissen in den Mittelpunkt gestellt worden. Damit kam man auch deutschen Wünschen entgegen.

Finnland behauptet in der neue Studie danach seinen absoluten Spitzenplatz. Auf den zweiten Rang kommt Hongkong vor Kanada und Taiwan. Österreich erreicht Platz 18 (vorher 23). Dagegen fällt die Schweiz vom 12. auf den 16. Rang.

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