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Intendantenwechsel beim SWR : Aufbruch in die Netflix-Zeit

Die Kamera läuft: Im Bundesverfassungsgericht Bild: dpa

Der SWR-Intendant Peter Boudgoust gibt sein Amt Mitte 2019 vorzeitig auf. Sein Nachfolger – oder seine Nachfolgerin – wird den Rundfunksender mit Blick auf die große Konkurenz von Streamingdiensten modernisieren müssen.

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          Zur letzten Sitzung im vergangenen Jahr hatte SWR-Intendant Peter Boudgoust den Rundfunkräten eine Überraschung mitgebracht: Er teilte dem Gremium mit, dass er nicht wie geplant bis zum Mai 2022 die zweitgrößte ARD-Anstalt mit einem Jahresetat von knapp 1,4 Milliarden Euro und 3600 Planstellen führen wolle, sondern Mitte 2019 sein Amt aufgeben werde. Bei seiner Wiederwahl 2016 hatte Boudgoust sich diese Möglichkeit im Vertrag erbeten, nun machte er davon Gebrauch – mit einer nachvollziehbaren und sogar noblen Begründung: Das Jahr 2021 werde politisch und medienpolitisch ein Entscheidungsjahr werden. In beiden Ländern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, wird gewählt. Bis spätestens 2021 müssen die Ministerpräsidenten auch entschieden haben, ob sie drohende Defizite mit einer Rundfunkgebührenerhöhung kompensieren wollen oder nicht. Boudgoust begründete seinen Schritt damit, dass er seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger „bestmögliche Startbedingungen“ geben wolle.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Bilanz von Peter Boudgoust, der CDU-Mitglied ist und in der Stuttgarter Staatskanzlei gearbeitet hatte, bevor er Verwaltungsdirektor und schließlich Intendant des Senders mit den drei Standorten Stuttgart, Baden-Baden und Mainz wurde, fällt aus Sicht der meisten Rundfunkräte positiv aus: Boudgoust begann, den SWR zur trimedialen Anstalt umzubauen, und er konsolidierte den Sender finanziell. Der SWR hat heute nahezu einen ausgeglichenen Haushalt. Auf die schwierigen Jahre, die kommen werden, dürfte der Sender besser vorbereitet sein als andere große Anstalten wie NDR oder WDR. Von 2010 bis 2020 wird er 165 Millionen Euro gespart sowie etwa 600 Stellen von festen und freien Mitarbeitern abgebaut haben. Boudgoust setzte die Fusion des Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg (SO) mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (RSO) gegen große Widerstände durch. Der Intendant, heißt es, übergebe einen „intakten SWR“. Die Anstalt werde, wenn die Rundfunkgebühren 2021 nicht erhöht werden – was wegen des Widerstands der ostdeutschen Ministerpräsidenten mehr als wahrscheinlich ist –, zumindest weniger sparen müssen als andere ARD-Sender.

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