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Integrationspolitik : Staat fördert Imamfortbildung

  • -Aktualisiert am

Spricht von „Pionierarbeit”: die niedersächsische Integrationsministerin Aygül Özkan Bild: dpa

Die Universität Osnabrück hat mit der Weiterbildung von Imamen begonnen. Als „Pionierarbeit“ bezeichnete die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan das Projekt, andere sprachen von einem „Stück Integrationsgeschichte“.

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          An der Universität Osnabrück hat am Montag erstmals in Deutschland eine staatlich geförderte Weiterbildung von Imamen begonnen. Die niedersächsische Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) sprach von einer „Pionierarbeit“, der Leiter des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien in Osnabrück, Bülent Ucar, von einem „Stück Integrationsgeschichte“.

          30 Imame und Seelsorger werden zwei Semester lang fortgebildet, um Gläubigen, vor allem Jugendlichen, die Eingliederung in die deutsche Gesellschaft zu erleichtern. So gehören zum Kurs deutsche Sprachfortbildung, Informationen über deutsche Geschichte, Politik und Kultur sowie pädagogische Hilfestellungen für die Vermittlung des Glaubens.

          Hasspredigern den Boden abgraben

          Dabei geht es auch um interreligiöse Toleranz – zu den Referenten zählt der Rabbiner der Osnabrücker Synagoge. Dazu kommen Besuche im Jüdischen Museum in Berlin und in einem Konzentrationslager.

          Will Imame als Religionslehrer beschäftigen: der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann

          So hoffen die Träger dieses Modellvorhabens – die Hochschule, das Land und der Bund –, fundamentalistischen Hasspredigern den Boden abgraben zu können. Neosalafitische Imame, die eine Gegenkultur pflegen und Demokratie ablehnen, stellen, so eine just veröffentlichte Studie des Osnabrücker Religionswissenschaftlers Rauf Ceylan, nur eine kleine Minderheit unter den gut 2.000 Imamen in Deutschland.

          Integration ist keine Einbahnstraße

          Die meisten seien dagegen vom türkischen Staat ausgebildet worden, autoritätsgläubig und gehorsam auch gegenüber deutschen Obrigkeiten. Als kaum deutsch sprechende Beamte der Türkei, die in Deutschland nur auf Zeit arbeiten, sind sie aber für eine Integration vor allem der Jugendlichen eine Hürde, die mit dem neuen Modell abgebaut werden soll.

          Frau Özkan sagte, Vielfalt, auch innerreligiöse, sei stets besser als Einfalt, mahnte aber auch, Integration sei keine Einbahnstraße, jeder müsse sich einbringen.

          Einzigartiges Bund-Länder-Modell

          Die Imamfortbildung beginnt wenige Tage bevor das Bundesforschungsministerium verkünden will, an welchen zwei oder drei Hochschulen der Bund islamische Institute mitfinanzieren möchte. Osnabrück rechnet sich gute Chancen aus.

          Vor acht Jahren begann unter Osnabrücker Federführung ein einzigartiges Bund-Länder-Modell zum islamischen Religionsunterricht. Seit drei Jahren werden islamische Religionspädagogen für Grund- und Realschulen ausgebildet.

          Ökumenische Zusammenarbeit hat Tradition

          Das 2009 gegründete Zentrum für interkulturelle Islamstudien will das Fach interdisziplinär vernetzen – der katholische und der evangelische Fachbereich arbeiten eng mit der Islamkunde zusammen in der Stadt, die seit dem Westfälischen Frieden eine lange Geschichte ökumenischer Zusammenarbeit vorweist.

          Die Träger des Vorhabens sehen daher keine Schwierigkeiten bei der Akzeptanz der neuen Ausbildung, für die Mitarbeiter verschiedener muslimischer Glaubensrichtungen eingesetzt werden – für die anfangs geplanten 15 Plätze bewarben sich 90 Imame. Probleme könnte es aber mit der Finanzierung von Imamen in Moscheegemeinden geben.

          Vorbeter, Seelsorger und Berater

          Imame haben für die 2,4 Millionen Muslime in Deutschland nicht nur eine Rolle als Vorbeter, sondern auch als Seelsorger und Berater in sozialen und alltäglichen Fragen von der Familie bis zur Bildung – auch hier will Osnabrück helfen. Ucar regte an, über eine öffentliche Stiftung nachzudenken, mittels deren die Integrationsarbeit der Imame finanziert werden könnte.

          Der niedersächsische Innenminister Schünemann (CDU) schlug wiederum vor, Imame als Religionslehrer mit einer halben Stelle zu beschäftigen.

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