https://www.faz.net/-gpf-9dx8v

Integrationsministerin Köpping : „Chemnitz kann überall passieren“

  • Aktualisiert am

Sachsens Ministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD) Bild: dpa

Ausschreitungen wie in Chemnitz sind aus Sicht von Petra Köpping überall möglich: Rechtsextreme seien dazu aus ganz Deutschland angereist. Sie räumt aber Fehler der sächsischen Politik ein und fordert mehr ziviles Engagement.

          1 Min.

          Die sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration,Petra Köpping (SPD), hält Ausschreitungen wie in Chemnitz auch in anderen Städten für möglich. „Ich warne davor, dass man glaubt, das könnte nur in Chemnitz passieren“, sagte Köpping der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Ausschreitungen in der Stadt seien Rechtsextreme aus ganz Deutschland angereist. Die Rechten seien extrem gut vernetzt. Solche Proteste seien überall denkbar, wo es ähnlich brutale Vorfälle gebe. „Insofern sind wir alle gefragt: Wie gehen wir damit um?“, sagte sie.

          Fakt sei aber auch, dass in Sachsen in den vergangenen Jahren von der Politik Fehler bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus gemacht worden seien. „Die Versäumnisse in der Vergangenheit sind da“, sagte Köpping. „Ich glaube schon, dass die Landesregierung Fehler beim Umgang mit Rechtsextremismus gemacht hat.“ Es gebe Nachholbedarf etwa bei der demokratischen Bildung in Schulen. Mit dem neuen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) sei vieles angeschoben worden. Aber Veränderungen brauchten Zeit.

          Der Grund für den hohen Zulauf bei rechten Protesten sieht Köpping zum einen in der Flüchtlingskrise. „Die Menschen in Sachsen waren auf das Jahr 2015 nicht vorbereitet“, sage Köpping. Man sei davon ausgegangen, dass rund 12.000 Flüchtlinge pro Jahr nach Sachsen kommen. Im Jahr 2015 seien 69.000 Flüchtlinge gekommen.

          Extreme Herausforderungen nach der Wiedervereinigung

          Hinzukomme aber, dass die Wiedervereinigung in Ostdeutschland extreme Herausforderungen mit sich gebracht habe. Viele Menschen hätten sich in den vergangenen 30 Jahren mühsam und über viele Entbehrungen etwas aufgebaut, sagte Köpping. Kaum jemand habe im Osten etwas geerbt. „Und nun hat man Angst, dass man etwas teilen muss.“ Andere seien enttäuscht, weil sie es trotz erheblicher Anstrengungen nicht geschafft haben, sich etwas aufzubauen.

          Um Ausschreitungen wie in Chemnitz zu verhindern, sei am Ende nicht nur die Politik gefragt. „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Bürger sich zivilgesellschaftlich wirklich engagieren. Es reicht nicht, dass sie sagen, ihr Politiker müsst das machen, sondern da gehören die Bürger dazu.“

          Weitere Themen

          Keine Trump-Euphorie mehr in Kallstadt Video-Seite öffnen

          Heimatort der Großeltern : Keine Trump-Euphorie mehr in Kallstadt

          Anfangs sahen die Einwohner von Kallstadt in Rheinland-Pfalz die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten mit großem Interesse, denn Trumps Vorfahren stammen aus dem Winzerdorf. Inzwischen scheint das Interesse allerdings erlahmt zu sein. Ein Stimmungsbild kurz vor der Präsidentenwahl Anfang November, bei der sich Trump zur Wiederwahl stellt.

          Die Ostdeutschen sind selbstbewusster

          FAZ Plus Artikel: Allensbach-Umfrage : Die Ostdeutschen sind selbstbewusster

          Die deutsche Einheit macht langsam Fortschritte. Die gegenseitigen Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen sind weniger groß, als es in der öffentlichen Debatte oft scheint. Überraschend ist das Selbstvertrauen in den neuen Ländern.

          Topmeldungen

          Hamstereinkäufe : Was, wenn die Nachfrage weiter steigt?

          Im Frühjahr bunkerten die Deutschen vor allem eins: Toilettenpapier. Nun nehmen mit steigenden Infektionszahlen und Beschränkungen auch die Hamsterkäufe wieder zu. Was das für uns bedeutet.
          Einheitsfreude auch in Coronazeiten: Ein schwarz-rot-goldenes Herz am 3. Oktober in Potsdam

          Allensbach-Umfrage : Die Ostdeutschen sind selbstbewusster

          Die deutsche Einheit macht langsam Fortschritte. Die gegenseitigen Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen sind weniger groß, als es in der öffentlichen Debatte oft scheint. Überraschend ist das Selbstvertrauen in den neuen Ländern.
          Neu entdeckt: Ein Paar länglicher Speicheldrüsen umschließt die Verbindung zum Mittelohr.

          Niederländische Forscher : Neues Organ im Rachen entdeckt

          Mediziner eines Krebsforschungsinstituts in Amsterdam sind auf ein neues Organ im Rachen gestoßen. Es besteht aus zwei paarig angeordneten Speicheldrüsen, die noch niemand vorher beschrieben hatte.

          Fernsehduell : Wie kann sich Biden gegen Trump behaupten?

          In der Nacht soll die letzte Fernsehdebatte im amerikanischen Präsidentenwahlkampf stattfinden. Voriges Mal konnte Joe Biden kaum ausreden. Rhetorikprofessor Olaf Kramer erklärt, wie der Demokrat diesmal Donald Trump Paroli bieten kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.