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Schüler aus Migrationsfamilien : „Dann züchten wir uns neue Hartz-IV-Empfänger heran“

  • -Aktualisiert am

An der Gräfenauschule in Ludwigshafen: Deutschunterricht in der vierten Klasse Bild: Frank Röth

Zwei Schulen in Frankfurt und Ludwigshafen: Fast alle Schüler haben Migrationshintergrund, ein großer Teil hat keinen deutschen Pass. Damit ihre Integration gelingt, braucht es mehr Unterstützung durch die Politik, fordern Schulleiter.

          8 Min.

          Hunderte Kinder rennen durch die Morgensonne, spielen Fußball und Fangen, schreien, lachen, weinen, alles gleichzeitig, ein ohrenbetäubender Lärm. Die große Pause an der Gräfenauschule in Ludwigshafen-Hemshof, einem kleinen, seit langer Zeit von Migranten geprägten Viertel nördlich der Innenstadt. An der Grundschule haben 96 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. In der vierten Klasse sind es alle Schüler. Sie sitzen nach dem Klingeln oben im großen Klassenzimmer und flüstern leise, während sie in ihre Schulhefte schreiben. Dann melden sie sich eifrig, lesen vor. Deutschunterricht, es geht um die einzelnen Satzglieder, heute: das Prädikat. „Umut ist am Sonntag bei seiner Oma“, liest ein Mädchen. „Bei seiner Oma“, sagt sie dann, „Ergänzung des Ortes.“

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Fragt man die Kinder nach ihren Wurzeln, dann verstehen sie zunächst die Frage nicht. Woher ihre Eltern, woher sie selbst kommen? Fast alle melden sich dann und viele mehrmals, weil sie ein Detail vergessen haben: wer aus ihrer Familie aus jenem Land stamme, wer aus dem anderen. Die meisten der Kinder wurden in Ludwigshafen geboren. Ihre Eltern kamen aus der Türkei, aus Russland, Albanien, Mazedonien, Rumänien oder Italien. Zu Hause, erzählen die Kinder, sprächen sie oft die Muttersprache (und manchmal noch zusätzlich die des anderen Elternteils), schließlich könnten die Eltern nur schlecht Deutsch.

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