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Innenminister in Sorge : „Rockerbanden weiten Einfluss aus“

  • Aktualisiert am

„Rocker sind keine friedlichen Motorradfahrer, sondern immer öfter Schwerkriminelle” Bild: dpa

Das BKA und die Länder-Innenminister haben sich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung besorgt über wachsende Gewalt durch Rockerbanden und deren Verwicklung in Drogenschmuggel und Menschenhandel geäußert. Am Samstag kam es in Pforzheim zu schweren Auseinandersetzungen.

          Kriminelle Rockerbanden weiten in Deutschland ihren Einfluss aus und gehen dabei immer brutaler vor. Davor warnen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung das Bundeskriminalamt (BKA) und die Innenminister mehrerer Bundesländer. „Rocker sind keine friedlichen Motorradfahrer, sondern immer öfter Schwerkriminelle. Ihre kriminellen Geschäfte im Drogenhandel, Waffenschmuggel oder im Rotlichtmilieu haben sie in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Die Zunahme organisierter Kriminalität, die von Rockergruppen ausgeht, sehen wir mit Sorge“, sagte der Vize-Präsident beim BKA, Jürgen Stock.

          An diesem Samstagmorgen waren in einer schweren Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Rockergruppen in Pforzheim mehrere Menschen verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde ein Mann aus der Rockerszene mit schweren Stichverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. „Er schwebt noch in Lebensgefahr“, sagte ein Polizeisprecher.

          Rund 50 Mitglieder der Rockerbanden „Hells Angels“ und „United Tribuns“ hatten sich gegen 6 Uhr am Güterbahnhof der Stadt getroffen. Hierbei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen bei denen laut Polizei auch eine Schusswaffe zum Einsatz kam. Es sei unklar, ob es sich um einen Angriff der einen auf die andere Rockerbande handele oder die beiden Gruppen sich zu einem Kräftemessen getroffen hätten, sagte ein Sprecher der Polizei. Am Tatort seien Einschlusslöcher gefunden worden, die auf den Einsatz einer großkalibrigen Schusswaffe hinweisen.

          „Hells Angels”: Mutmaßlich verwickelt in Drogen- und Waffengeschäfte

          Razzia in Hannover

          In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover kam es in der Nacht zum Samstag im Rotlichtviertel zu einer Razzia in mehreren Lokalen der Rockerszene, unter anderem in der Tanzbar „Sansibar“ des örtlichen „Hells Angels“-Chefs Frank Hanebuth. Wie die Polizei in Hannover mitteilte, war der Einsatz vom Hauptzollamt initiiert und wurde von der Polizei mit einer „kleinen zweistelligen Zahl von Beamten“ unterstützt. Es sei um den Verdacht von Schwarzarbeit und „arbeitszeitrechtliche Verstöße“ gegangen. Gewaltsame Zwischenfälle habe es nicht gegeben.

          Bereits am Freitag hatte die Polizei nach einer Schlägerei unter Rockern in der kroatischen Hauptstadt Zagreb fünf Deutsche und zehn Kroaten festgenommen. Mitglieder der „Hells Angels“ und der Gruppe „Gremium Bikers Groups“ waren nach Berichten der Nachrichtenagentur Hina und lokaler Medien am Flughafen von Zagreb aufeinander losgegangen. Der Grund des Streits wurde zunächst nicht bekannt. Fünf der Beteiligten seien verletzt worden.

          „Immer öfter Schwerkriminelle“

          In verschiedenen Bundesländern sind die Rocker nach Angaben der Innenminister im Vormarsch. „Die großen Rockergruppen haben eine ganze Reihe neuer Untergruppierungen gegründet und befinden sich deutlich auf Expansionskurs“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

          Die Gewalt, die Rocker bei der Austragung ihrer Konflikte untereinander anwenden, sei erheblich gestiegen. „Die drei Morde im Rockermilieu im vergangenen Jahr und die Tötung eines Polizeibeamten durch ein Mitglied der Hell‘s Angels im Frühjahr diesen Jahres zeigen, dass die brutale Gewalt, die von Rockerbanden ausgeht, deutlich zugenommen hat“, sagte Herrmann.

          Drogenschmuggel, Erpressung, Menschenhandel

          Auch Länder, die bis vor kurzem Rockerkriminalität kaum kannten, sehen sich nun mit diesem Problem konfrontiert. „Sachsen-Anhalt war in der Vergangenheit wenig von Rockerkriminalität betroffen. Das hat sich nun geändert“, sagte der dortige Innenminister Holger Hövelmann (SPD). Dort hatte es im vergangenen Jahr sechzehn schwere Straftaten durch Rocker gegeben. In Halle fand im Oktober eine regelrechte Schlacht zwischen verfeindeten Rockerbanden auf offener Straße statt. Als Schwerpunkt der Rockerkriminalität sieht die Polizei den Norden Deutschlands, vor allem Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Berlin.

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