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Innenminister de Maizière : Keine Lust auf Spielchen

  • -Aktualisiert am

Passt in kein simples Muster: Thomas de Maizière Bild: dpa

Flüchtlinge, G36, BND: Derzeit sind viele brisante Themen mit Thomas de Maizière verbunden. Für den Kanzler-Aspiranten ist das nicht immer von Vorteil. Ob es ihm aber schadet, ist offen.

          Die Erwähnung des Wortes Krätze dürfte bei den meisten Menschen ähnliche Reaktionen hervorrufen: eine ekelhafte Hautkrankheit, die zu Juckreiz führt, die ansteckend ist und bei Menschen auftaucht, die in schlechten hygienischen Verhältnissen leben. Eine Minute Google-Recherche reicht zwar, um herauszufinden, dass die Geschichte mit den schlechten hygienischen Verhältnissen nicht zwangsläufig ist und die Krätze sich schlicht durch das enge Zusammenleben von Menschen etwa in Kindergärten, Schulen oder Altenheimen auch in unseren Breitengraden überträgt. Gleichwohl würde man annehmen, dass ein Politiker, der eine politisch korrekte Diskussion über die steigende Zahl von Asylbewerbern führt, den Begriff Krätze vermeidet.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Falsch gedacht. Da sitzt dieser Politiker, Anfang der sechzig, in grauem Anzug, Hemd und Krawatte auf einem Podium und erzählt die Geschichte von einem Dorf in Deutschland, dessen Bewohner sich eifrig und mit besten Absichten auf die Ankunft einer Gruppe von Flüchtlingen vorbereiteten. Kaum jedoch sind diese ein paar Wochen da, so habe das ganze Dorf die Krätze, erzählt der Mann im grauen Anzug. Diesen Dorfbewohnern zu sagen, in zwei Wochen kämen die nächsten 50 Asylbewerber, sei nicht so einfach. Und der Mann im Anzug ist wer? Einer, der sonst bei Pegida mitmarschiert? Oder mindestens die AfD wählt? Nein, es ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Er hatte sich Mitte April mitten in einer Arbeitswoche einen Tag Zeit genommen, um an einer Konferenz zum Thema Einwanderung teilzunehmen. Er selbst ist sogar der Gastgeber, Austragungsort ist einer jener Konferenzpaläste am Pariser Platz in Berlin-Mitte, gleich neben dem Brandenburger Tor.

          Das Dilemma der Flüchtlingsrettung

          Jetzt kommt die andere Geschichte. Am vorigen Mittwoch, eine Woche nach dem Konferenzauftritt, steht de Maizière vor dem Bundestag und spricht über die schwierige Flüchtlingsproblematik. Er erzählt vom Besuch in einem Münchner Erstaufnahmelager. Dort habe er eine Frau aus Afrika getroffen, die ihr Kind gestillt habe. Sie sei schon wieder hochschwanger gewesen. „Sie war allein gekommen und Monate unterwegs. Man kann nur ahnen, wie es zu der Schwangerschaft gekommen war.“ Gleich darauf prangert de Maizière das Schleusergewerbe an, das pro Jahr fünf bis zehn Milliarden Dollar auf dem Mittelmeer verdiene. In ein simples Muster passt de Maizière nicht.

          Natürlich versucht die Linkspartei trotzdem, ihn in ein solches zu pressen, und ruft de Maizière im Bundestag die Frage zu, ob er auch schon mal „einen echten Flüchtling“ getroffen habe. Doch das beeindruckt den Minister nicht. Man muss gerade ihm nicht erklären, welche Facetten das vor allem von seinem Ministerium zu behandelnde Thema Einwanderung hat. Für ihn, den engagierten Christen, der in Dresden lebt, sind die menschlichen Tragödien vieler Flüchtlinge ebenso ein Teil des großen Problems wie die berechtigte oder unberechtigte Furcht seiner Landsleute in Sachsen oder anderswo im Lande vor Überfremdung. Er weist auf die Nebeneffekte des italienischen Rettungsprogramms für Flüchtlinge „Mare Nostrum“ hin, das Schleuser ermuntern könnte, noch mehr Geld mit Flüchtlingen zu verdienen, und weiß trotzdem, dass mehr als bisher für die Rettung von Flüchtlingen in Seenot getan werden muss.

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