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Inklusion : Alles inklusive an der Schule

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„Kein Einheitsraster über das ganze Land“: Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD) Bild: action press

In Thüringen strebt die Regierung die schnelle Inklusion an - die Eingliederung von Kindern mit besonderem Förderbedarf in den allgemeinen Unterricht. Der Widerwille von Eltern und Lehrern ist beträchtlich.

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          Christoph Matschie (SPD), Thüringens Kultus- und Wissenschaftsminister, versucht zu beschwichtigen: „Tempo raus, Qualität rein“, verspricht er Eltern, Lehrern und Schülern. Denn ausgerechnet die Aussicht auf mehr Gemeinsamkeit an den Schulen schürt die Zwietracht. Matschies Ministerium strebt die Inklusion, die Eingliederung von Kindern mit einem besonderen Förderbedarf in den allgemeinen Schulunterricht, an. Damit aber hat sein Ministerium Angst und Verunsicherung ausgelöst.

          Nein, sagt eine Pädagogin, sie sage nichts zum Thema Inklusion, „denn die haben mich auf dem Kieker“. „Die“, das sind das Kultusministerium und das Schulamt, und „die“ wollen aus Sicht einer offenbar nicht kleinen Zahl von Förderschullehrern und Eltern mit aller Gewalt Inklusion durchsetzen. Es soll Schulamtsleiter geben, die sich angeblich nicht mehr trauen, ein Votum für den Besuch der Förderschule abzugeben, weil doch jetzt die Inklusion vom Ministerium erwartet werde. Die Liste der Klagen ließe sich endlos fortsetzen. Doch kein Lehrer kommt aus der Deckung.

          Unterschiedlicher Förderbedarf in Ost und West

          Nach dem Mauerfall hat Thüringen ein System von Gymnasien, Grund- sowie Regelschulen, der Kombination von Haupt- und Realschule in der Form der additiven oder integrierten Gesamtschule, aufgebaut. Für Kinder mit einem besonderen Förderbedarf errichtete Thüringen Förderschulen. Im Schuljahr 2012/13 gab es 906 allgemeinbildende Schulen und 82 Förderschulen für „Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf“. Schon 2003, als die CDU noch die absolute Mehrheit hatte und sechs Jahre vor der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung im März 2009, aus der sich der Leitgedanke der „inklusiven Bildung“ ableitet, änderte der Landtag das Schulgesetz. Fortan hatte der gemeinsame Unterricht Vorrang. Doch die einzelnen Kreise und kreisfreien Städte beschritten den neuen Weg mit unterschiedlichem Engagement. Die Inklusionsquote, also der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den allgemeinbildenden Schulen, betrug im Thüringer Landesdurchschnitt im vergangenen Schuljahr 32,9 Prozent. In Jena waren es 68 Prozent - in Suhl betrug die Quote dagegen nur 7,9 Prozent.

          Ins Auge springt auch der unterschiedliche Förderbedarf in Ost und West. Im deutschen Durchschnitt hatten im Schuljahr 2011/12 nur 6,4 Prozent der Kinder einen sonderpädagogischen Förderbedarf. In Brandenburg und Sachsen waren es 8,4 Prozent, in Sachsen-Anhalt 9,4 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 10,9 Prozent und in Thüringen 7,2 Prozent. Im Schuljahr 2007/08 waren es auch in Thüringen noch 9,2 Prozent der Kinder. Die Förderquote in den meisten westlichen Ländern lag unter dem nationalen Mittel.

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