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Infektiologen zu Coronaregeln : „Luftfilter und Testung asymptomatischer Kinder sind verzichtbar“

Ein Schüler bei der Covid-19-Impfung an der Nikolaus-August-Otto-Schule in Bad Schwalbach am 10. September, im Vordergrund steht seine Mutter. Bild: Frank Röth

Luftreiniger, Quarantäne, Lollitests: Infektiologen und Hygieniker räumen mit aus ihrer Sicht überflüssigen Corona-Regeln für Kinder auf. Dafür sollten alle Lehrer und möglichst viele Schüler geimpft sein.

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          Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme zum aktuellen Umgang mit Kindern in der Corona-Krise geäußert. Im Zentrum stehen die spezifischen Infektions- und Übertragungsrisiken von Sars-CoV-2 sowie die Morbidität und Mortalität bei Kindern und Jugendlichen. Hintergrund ist die Diskussion über bundesweit einheitliche Präventions- und Quarantäneregeln für Kitas und Schulen; die Autoren der beiden renommierten Gesellschaften plädieren dabei insgesamt für weniger scharfe Regelungen als bisher.

          Susanne Kusicke
          Redakteurin der Politik.

          Die Autoren sprechen sich dezidiert dafür aus, dass alle Personen, die in engem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen stehen, vollständig geimpft sein müssen. Lehrer, Betreuer und Erzieher seien für den Schutz der ihnen anvertrauten Kinder verantwortlich, argumentieren die Verfasser.

          Appell, unlüftbare Räume gar nicht zu nutzen

          Im Gegenzug könne man bei Einhaltung der basalen Hygieneregeln (Husten- und Nies-Etikette, Händewaschen, Lüften, gute Sanitärhygiene) Schulen, Vereine, Schwimmbäder, Musikschulen und andere derartige Einrichtungen uneingeschränkt offenhalten. Bei ausreichender Fensterlüftung könne dabei auch auf Luftfilter in den Räumen verzichtet werden, so die Autoren; unlüftbare Räume sollten gar nicht genutzt werden.

          Eine regelmäßige Testung asymptomatischer Kinder und Jugendlicher mit Antigen- oder PCR-Tests sowie Gruppentests mit der Lolli-Methode lehnen die Autoren ab. Das Masketragen könne in weiterführenden Schulen in Fluren und Treppenhäusern sinnvoll sein, aber nur in Ausbruchs-Situationen. Dies müsse dann unabhängig vom Impfstatus für alle gelten, um nicht geimpfte Jugendliche nicht zu diskriminieren, heißt es weiter.

          Schülern und Schülerinnen in Quarantäne solle am vierten oder fünften Tag ein PCR-Test angeboten werden; bei einem negativen Ergebnis solle die Quarantäne aufgehoben werden. Als Alternative zur Quarantäne könne auch der Präsenzunterricht mit Mund-Nasen-Schutz und täglicher Testung der Kontaktpersonen fortgesetzt werden.

          Zustimmung für Impfung von Kindern nach STIKO-Empfehlung

          Die Impfung von Kindern und Jugendlichen nach der jeweils aktuellen Empfehlung der STIKO wird in den Stellungnahmen ausdrücklich empfohlen.

          Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich Anfang September mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für den gesamten Klassenverband Quarantäne angeordnet werden, hieß es in dem Beschluss. Die neuen Regeln sollten als „Leitplanken“ an die Gesundheitsämter weitergegeben werden. Ziel sei guter Infektionsschutz und so viel Präsenzunterricht wie immer möglich.

          Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden und keine Symptome haben, sollen diese demnach frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Dabei sollen die Gesundheitsämter vor Ort im Einzelfall auch abweichend entscheiden können. Quarantäne-Anordnungen sollen generell „mit Augenmaß“ und abhängig von Schutzkonzepten mit Lüftung, Tests und dem Tragen von medizinischen Masken erlassen werden.

          Zuvor waren die Länder bei einer Quarantänedauer von 14 Tagen unterschiedlich mit Infektionsfällen in Schulklassen umgegangen. Teilweise wurden nur Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, teils ganze Klassen.

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