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Russlanddeutsche und AfD : Deutschland, fremde Heimat

Ein häufiges Bild in Nürnberg: Plattenbauten, die nach dem Krieg hochgezogen wurden. Bild: Jan Roeder

Russlanddeutsche wählen nicht viel öfter AfD als andere. In einem Stadtteil von Nürnberg aber schon. Bericht aus einer Parallelgesellschaft.

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          Seit es diesen Stadtteil gibt, kommen die Leute dort aus dem Osten. Nach dem Krieg, als Nürnberg in Schutt und Asche lag, bauten sie im Süden der großen Ruinen, die bis heute von Hitlers Reichsparteitagen zeugen, die ersten Wohnblocks des Viertels: Nürnberg-Langwasser. Die Schlesier kamen, die Sudetendeutschen, all die Flüchtlinge, die der Krieg in den Westen geschwemmt hatte. Wo die Nazis tausendjährige Tribünen geplant hatten, zog Sichtbeton ein: nüchtern, billig. Nürnberg brauchte Wohnungen, und zwar schnell. Tempo ging vor Schönheit, und so sahen die Häuser dann auch aus: wie übergroße vergessene Umzugskisten.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Schlesier sind längst fortgezogen. In Langwasser sind dafür inzwischen die Russlanddeutschen angekommen. Wie viele genau, weiß keiner, aber wer sich auskennt, sagt: Von den vierzigtausend Einwohnern stammt jeder vierte aus der Sowjetunion.

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