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Unterkünfte für Flüchtlinge : Zwischen Ratten, Müll und Stacheldraht

  • -Aktualisiert am

„Das hier ist nicht Deutschland“: Die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Oberursel Bild: Julian Staib

Mindeststandards? Fehlanzeige. Manche Flüchtlinge leben in Deutschland unter erbärmlichen Bedingungen. Doch die privaten Betreiberfirmen machen mit ihren Unterkünften Kasse.

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          Vor dem Küchenfenster huscht eine Ratte über den Boden. Löcher in der Erde zeugen davon, dass es noch mehr von ihnen gibt. Abends kämen sie auch in die Küche, holten sich Speisereste aus den übergelaufenen Abfalleimern, erzählen die Bewohner. Auf dem Herd blubbert irgendetwas in einem Topf, aber derjenige, der ihn draufgestellt hat, ist nicht da.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Für die etwa 80 Bewohner auf diesem Gang gibt es zwei Herde, zwei Tische und zwei Waschbecken. Die Bewohner teilen sich auch je ein Bad und eine Toilette für Frauen und Männer. In einem Badezimmer ist der Boden unter dem Linoleum mit Wasser vollgesogen, so dass man einzubrechen fürchtet. Von der Decke tropft es, auf dem Gang in der Toilette liegt verschmutztes Klopapier. Der Gestank ist kaum auszuhalten.

          Die Flüchtlingsunterkunft Oberursel liegt in unmittelbarer Nähe zu Frankfurt, im Hochtaunuskreis. Dort ist das Durchschnittseinkommen so hoch wie in kaum einem anderen Kreis in Deutschland. Hinter dem Zaun befindet sich ein Gewerbegebiet, auf den Treppen vor den Firmengebäuden stehen Mitarbeiter, rauchen und schauen hinüber zu den Containern hinter dem Stacheldraht: zwei doppelte Reihen, in denen insgesamt rund 200 Flüchtlinge leben – darunter auch Kinder.

          „In diesem Haus gibt es keine Regeln.“

          Hier sei alles erlaubt, sagt einer und berichtet von regelmäßigen Schlägereien, Streit um Drogen, Lärm mitten in der Nacht. Niemand kümmere sich. „In diesem Haus gibt es keine Regeln.“ Am Ende komme die Polizei. Wenn der Bürgermeister hier einmal vorbeikomme, werde vorher geputzt. „Da konnte man vom Boden essen“.

          Momentan kommen so viele Flüchtlinge nach Deutschland wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 2008 waren es 28.000, dieses Jahr sollen es nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt bis zu 200.000 werden. Die Flüchtlinge bleiben bis zu drei Monate in den Erstaufnahmeeinrichtungen und werden dann nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt, die sie wieder nach bestimmten Schlüsseln auf die Kommunen verteilen. Letztere suchen zurzeit händeringend nach Unterkünften. Kann man in diesen Zeiten Mindeststandards verlangen?

          Mitarbeiter von Kommunen erzählen, dass zurzeit jede Woche vor den Rathäusern zehn bis 15 Flüchtlinge stünden, die es gelte unterzubringen. Große Gemeinschaftsunterkünfte werden wieder gebaut, Wohnungen oder Hotels angemietet. Niemand scheint einen Überblick darüber zu haben, welche Gemeinde was unternimmt. Manche Unterkünfte sind kommunal, andere gemeinnützig oder auch privat betrieben. „Im Moment schießen die Unterkünfte wie Pilze aus dem Boden“, sagt Timmo Scherenberg vom Hessischen Flüchtlingsrat. Da sei kaum zu verfolgen, welche Betreiber wo tätig seien.

          Sicherheitspersonal schikaniert Flüchtlinge

          Je nach Bundesland gibt es sehr unterschiedliche Vorschriften, welche Standards ein Betreiber einhalten muss. Eigentlich müsste man sagen, dass nur einige Länder wie Baden-Württemberg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern überhaupt verbindliche Vorschriften haben. Etwa eine „Mindestwohnfläche“ oder aber das Ziel, Familien in abgetrennten Wohneinheiten unterzubringen.

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