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Buch über Corona-Krise : In der Pandemie-Politik hatte die Risikovermeidung Vorrang

Schutz vor Corona hat in der Politik Vorrang. Bild: dpa

In der deutschen Pandemiepolitik überwog die Sorge um die Gesundheit der Bürger gegenüber wirtschaftlichen Interessen. Das war bei früheren Seuchen anders, analysiert der Historiker Malte Thießen.

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          Kaum sind die Corona-Infektionszahlen auf einem vertretbaren Niveau, beginnen Historiker damit, die Pandemie historisch zu vermessen. Nach Auffassung von Malte Thießen, Historiker und Lehrbeauftragter an der Universität Münster, gibt es im aktuellen Umgang mit der Pandemie gegenüber früheren Regierungen drei wesentliche Unterschiede: Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie im Februar 2020 gab es einen weitgehenden politischen Konsens der Regierungsparteien, Risiken für die Gesellschaft insgesamt, soweit irgendwie möglich, zu vermeiden; keinerlei Risiken sollten für Risikogruppen wie Vorerkrankte oder alte Menschen eingegangen werden; und bei der Risikoabwägung gilt nicht mehr der Primat der Wirtschaft.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          In seinem gerade publizierten Buch „Auf Abstand“, der ersten Gesellschaftsgeschichte der Corona-Pandemie, schreibt Thießen: „Die Entscheidung zwischen freiem Handel und Sicherheit vor Seuchen fiel lange Zeit meist zugunsten der Wirtschaft aus. Im 19. und 20. Jahrhundert wogen wirtschaftliche Argumente gemeinhin schwerer als gesundheitliche, auch in Deutschland. Selbst der Sozialmediziner Max Pettenkofer gab 1873 im Angesicht wiederholter Cholera-Einschleppungen der Wirtschaft den Vorrang vor der Gesundheit.“

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