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Umgang mit der Corona-Krise : Dem Virus ins Gesicht blicken

Eine Mitarbeiterin des Wenckebach-Klinikums im Bezirk Berlin-Tempelhof informiert Menschen über die Vorgehensweise in der Abklärungsstelle Coronavirus. Bild: dpa

In der Corona-Krise ist nicht nur der Staat gefordert. Jeder Bürger kann und sollte dazu beitragen, dass dieser Erreger, der ganze Gesellschaften ins Koma prügelt, seinen Schrecken verliert.

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          Es ist ein schmaler Grat, auf dem Politiker in den Zeiten von Corona wandeln. Sie müssen bei einer Epidemie dieses Ausmaßes der Öffentlichkeit reinen Wein einschenken, ohne damit aber eine Panik zu erzeugen, die alles nur noch schlimmer machte.

          Dieser Balanceakt wird dadurch erschwert, dass Bürger, Vereine und Verwaltungen auf ein und dieselbe Aussage ganz unterschiedlich reagieren können, wie nicht nur die Debatten über die „Geisterspiele“ zeigen. Während die einen noch Witze über die „Corona-Hysterie“ machen, verfolgen empfindsamere Gemüter mit schreckgeweiteten Augen das Geschehen, als grassiere in Deutschland Ebola.

          War es falsch, dass die Kanzlerin, die lange geschwiegen hatte, sich nun auch öffentlich der Erwartung der Virologen anschloss, wonach im Verlauf der Epidemie rund zwei Drittel der Deutschen mit dem Virus infiziert würden?

          Die Zahl war schon in der Welt. Ein Dementi hätte die Angst nur erhöht: Die sagen uns nicht die Wahrheit! Der wollen aber selbst jetzt noch nicht alle ins Gesicht blicken, was andererseits kaum überraschen kann. Das Antlitz von Corona trägt schreckliche Züge. Dieses Virus kann, wie in Italien zu verfolgen, ganze Gesellschaften und Volkswirtschaften ins Koma prügeln.

          Corona lässt Wirtschaftskreisläufe zusammenbrechen und das öffentliche Leben um Atem ringen. Es ist zu befürchten, dass die Epidemie viele Tote fordern wird. Die volkswirtschaftlichen Kosten und Verluste, die das Virus verursacht, sind wie die Langzeitfolgen noch nicht einmal annähernd abzuschätzen.

          Klar ist dagegen schon, was das Hauptziel im Kampf gegen diesen hochansteckenden Erreger sein muss: die Verringerung der Geschwindigkeit, mit der er sich ausbreitet. Je niedriger diese ist, desto besser kann sich das deutsche Gesundheitssystem auf diesen ungeplanten Stresstest vorbereiten.

          Doch ist in dieser Krise nicht nur der Staat gefordert. Jeder Bürger kann und sollte durch umsichtiges und besonnenes Verhalten dazu beitragen, dass dieses Virus so schnell wie möglich den Schrecken verliert, den es selbst schon dort verbreitet, wo es noch gar nicht angekommen ist.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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