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„Karriere kein Selbstzweck“ : Corona-Krise weckt Interesse an sozialen Berufen

Die Intensivmedizin der Frankfurter Uni-Klinik in der Corona-Krise Bild: Frank Röth

Durch die Pandemie interessieren sich immer mehr junge Menschen für soziale Berufe. Eine Studie zeigt nun, was sich ändern muss, damit mehr von ihnen Pfleger und Erzieher werden.

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          Die Corona-Krise hat das Interesse Jugendlicher für die pflegerischen und sozialen Berufe geschärft. Durch die Erschütterung bisheriger Selbstverständlichkeiten hat sich die Bewertung von Berufsfeldern offensichtlich verschoben. Das geht aus einer Erhebung des Sinus-Instituts „Kindertagesbetreuung und Pflege – attraktive Berufe?“ im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hervor, für die 1010 Jugendliche online befragt wurden.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          „Ich glaube schon, dass sich das ein bisschen verändert hat, ich glaube aber nicht, dass es dauerhaft so sein wird“, wird ein 20 Jahre alter Mann zitiert. Karriere ist für Jugendliche zwar wichtig, aber kein Selbstzweck. Knapp ein Viertel der jungen Leute könne sich vorstellen, in der Kindertagesbetreuung oder Pflege zu arbeiten.

          Die wichtigsten Kriterien der Jugendlichen für die Berufswahl werden bei den sozialen Berufen nur teilweise erfüllt: Sie bewerten die Weiterentwicklungs- und Karrierechancen dieser Berufe kritisch und empfinden das Gehalt als zu gering. Eine zentrale Rolle bei der Berufsfindung spielen Eltern und Freunde.

          Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte: „Gerade die vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass Pflegefachkräfte und Erzieherinnen und Erzieher für unsere Gesellschaft doppelt systemrelevant sind: Sie leisten nicht nur hochqualifizierte Arbeit, sondern sichern zusätzlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Millionen Mütter, Väter und Angehörige.“

          Mehr Zweitausbildungen: Giffey stellt den Bericht in Berlin vor.

          Nach der Erhebung sind vor allem weibliche Jugendliche mit unteren und mittleren Bildungsabschlüssen an den pflegerischen Berufen interessiert. Das Interesse der Jugendlichen mit hohen Bildungsabschlüssen und bei den jungen Männern müsse erst noch geweckt werden. Seit es eine Ausbildungsvergütung gibt, ist die Attraktivität auch als Zweitausbildung gewachsen. Probleme bleiben aber das geringe Gehalt sowie die fehlenden Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. „Hier wollen wir mit Ländern und Tarifpartnern weiter vorankommen“, kündigte Giffey an, die auf die großen Unterschiede in der Bezahlung von Kindergärtnerinnen und Grundschullehrern verwies.

          Eine Kernzielgruppe – sie umfasst sechs Prozent bei den Kitas und vier Prozent in der Pflege – sei sehr interessiert und könne „als bereits erreicht“ charakterisiert werden. Diese Gruppe umfasst allerdings nur sechs Prozent der Befragten, die sich für die Arbeit in Kitas interessieren, und vier Prozent für die Pflege. Das genügt bei weitem nicht, um den Bedarf an Kinderbetreuern und Pflegekräften zu decken.

          Das gilt erst recht für den beschlossenen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Grundschulen. Weitere 18 Prozent (Kita) beziehungsweise 17 Prozent (Pflege) seien als potentielle Zielgruppe grundsätzlich interessiert, müssten aber noch stärker aktiviert werden. 26 Prozent (Kita) und 20 Prozent (Pflege) seien aktuell nicht an einer Tätigkeit in einem dieser Berufe interessiert – sehr wohl aber am Berufsfeld Soziales und Gesundheit, resümieren die Autoren.

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