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Priorisierung aufgehoben : Warum sich jeder mit Johnson & Johnson impfen lassen kann

Bei einer Sonder-Impf-Aktion in der Ditib-Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld am Wochenende wird u. Johnson & Johnson verimpft. Bild: dpa

Bund und Länder heben die Priorisierung bei dem Mittel auf – vor allem, damit die Impfkampagne nicht ins Stocken gerät. Minister Spahn spricht von Pragmatismus. Doch es gibt Risiken.

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          Die Priorisierung für den Corona-Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson ist in Deutschland aufgehoben. Der Impfstoff kann nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoentscheidung auch an jüngere Menschen verimpft werden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag nach einer Konferenz mit den Gesundheitsministern der Länder in Berlin. Binnen kurzer Zeit wurde damit die Priorisierung bei zwei der vier derzeit verfügbaren Impfstoffen aufgehoben. Auch beim Präparat des Herstellers AstraZeneca gilt keine Priorisierung mehr.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Mit ihrem Beschluss vom Montag reagieren die Minister auf den Vorschlag der Ständigen Impfkommission (Stiko), das Mittel von Johnson & Johnson (J&J) wegen möglicher Nebenwirkungen bei Jüngeren nur jenen Personen zu verabreichen, die älter als 60 Jahre sind. Am Montag hat die Stiko unter anderem bei medizinischen Fachgesellschaften um Stellungnahmen zu der beabsichtigten Empfehlung gebeten, die eine Einschränkung bei der Anwendung des Impfstoffs bedeuten würde. Wie beim Präparat von AstaZeneca, so betreffen auch die Bedenken beim Mittel von Johnson & Johnson das sehr seltene Auftreten von Hirnvenenthrombosen als mögliche Nebenwirkung.

          Die Gesundheitsminister betonten in ihrer Entscheidung vom Montagmorgen, sie nähmen die berichteten Fälle von Hirnvenenthrombosen ernst. Es gelte jedoch auch, eine „zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe von J&J sicherzustellen“. Spahn betonte in seiner Erklärung in Berlin denn auch die Bedeutung eines raschen Fortschritts der Impfkampagne. „Es bleibt wichtig, dass wir das Tempo halten“, sagte er zur Begründung der Entscheidung. 

          Mehr als zehn Millionen J&J-Impfdosen erwartet

          Dabei sei es entscheidend gewesen, dass derzeit bereits etwa 60 Prozent der Über-60-Jährigen geimpft seien, so Spahn. Bei einer angenommenen Impfbereitschaft von 80 bis 90 Prozent in dieser Altersgruppe rechnet Spahn damit, dass „bis Ende Mai, Anfang Juni“ alle geimpft werden, die das wollen. In den Monaten Juni und Juli erwartet die Bundesregierung jedoch die Lieferung von mehr als zehn Millionen Einheiten des J&J-Impfstoffs, bei dem – anders als bei den übrigen derzeit verfügbaren Vakzinen – nur eine einzige Impfung ausreicht. Würde für das Präparat eine Begrenzung auf ältere Impflinge gelten, wie sie von der Stiko nahegelegt wird, gäbe es wegen des erwarteten Fortschritts der Impfkampagne in der relevanten Altersgruppe womöglich nicht genug Menschen, die überhaupt noch für eine Impfung mit dem Mittel in Frage kommen.

          Mit der Entscheidung der Gesundheitsminister werde allen Menschen die Möglichkeit gegeben, mit dem Vakzin von J&J geimpft zu werden, sagte Spahn. Dies soll, wie bei AstraZeneca, „nach ärztlicher Aufklärung und individueller Entscheidung“ möglich sein. „Genauso wie wir es bei AstraZeneca machen, werden wir es bei Johnson & Johnson machen, um pragmatisch in der Impfkampagne mit Geschwindigkeit arbeiten zu können“, sagte Spahn.

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