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Vorschlag gegen Impfskepsis : Soll sich die Kanzlerin impfen lassen?

Könnte sie durch eine Impfung das Vertrauen in den Impfstoff steigern? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 11. Februar im Reichstagsgebäude Bild: Jens Gyarmaty

Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier sollten sich bald öffentlich impfen lassen, fordert FDP-Fraktionsvize Michael Theurer – um Vertrauen in Corona-Impfstoffe zu schaffen. Nicht alle finden eine Vorzugsbehandlung für Politiker gut.

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          Dienen Politiker ihrer Vorbildfunktion, wenn sie sich möglichst rasch impfen lassen? Oder handeln sie vielmehr vorbildhaft, wenn sie warten, bis ihre Alters- oder Risikokohorte turnusgemäß an die Reihe kommt? Diese Frage erhält in der aktuellen Debatte um Corona-Impfungen täglich neue Nahrung.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer plädierte am Donnerstag in der „Bild“-Zeitung dafür, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollten sich „zeitnah öffentlich“ eine Corona-Impfung geben lassen, dies werde „vertrauensbildend“ wirken. Merkel hatte zuvor schon öffentlich angegeben, sie werde sich jedenfalls impfen lassen, wenn die Reihe an ihr sei.

          Zuvor hatte es in Deutschland eher empörte Stimmen gegeben, wenn Politiker sich früh um eine Corona-Immunisierung bemühten. Der Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand, musste sich gegen massive Kritik verteidigen, weil er und einige Mitglieder des Stadtrates Impfungen erhielten, obwohl sie nach Alter und Risiko noch nicht dazu aufgerufen waren. Auch bayerische Landräte und Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen gerieten deswegen in die Kritik.

          Lauterbach: „Klares Bekenntnis zu Astra-Zeneca“

          Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) demonstrierte hingegen bei einer Impfaktion schon im Dezember eine doppelte Vorbildfunktion: Er impfte in einer Gießener Klinik andere, ohne sich selbst impfen zu lassen. Diese Möglichkeit steht unter Politikern allerdings nur jenen offen, die über eine medizinische Ausbildung verfügen.

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          Zu diesem kleinen Kreis zählt auch der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach. Er gab am Donnerstag bekannt, er werde in der kommenden Woche als Impfarzt in einem Impfzentrum in Leverkusen aushelfen und dabei selbst auch Impfling sein: „Ich werde mich dort, wie alle Mitglieder des Impfzentrums, natürlich mit Astra-Zeneca impfen lassen“, äußerte Lauterbach gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“.

          Er nutzte die Gelegenheit, sogleich eine Vertrauensbekundung zum Impfstoff dieses Herstellers abzugeben, der in Deutschland bislang lediglich an Personen unter 65 Jahren verabreicht werden darf: „Wir wollen ein klares Bekenntnis zu Astra-Zeneca abgeben, das ist ein sicherer und guter Impfstoff.“

          Netanjahu ließ sich öffentlich impfen

          Als vorbildhafter Politiker will Lauterbach mit dieser Aktion offenbar nicht gesehen werden. Er wandte sich dagegen, die festgelegte Impfreihenfolge zu ändern oder den Astra-Zeneca-Impfstoff Freiwilligen zu verabreichen, wenn die vorhandenen Dosen nicht nach den geltenden Prioritäten verimpft werden könnten; die größten Risikogruppen würden so länger gefährdet bleiben.

          In anderen Ländern werden Impfungen von Politikern unbefangener beurteilt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der sich im Wahlkampf befindet, ließ sich bei seiner Impfung von Kameras filmen; der amerikanische Präsident Joe Biden ließ mitteilen, er habe die Impfung erhalten. Auch in der Schweiz haben die Mitglieder der Regierung Corona-Impfungen absolviert.

          Einen Sonderfall im Katalog der politischen Beispielhaftigkeiten bilden jene Politiker, die selbst eine Corona-Infektion erlitten und überstanden haben und die auch deswegen in der Priorisierung der Impfkandidaten eher nach hinten rutschen. Das gilt für den britischen Premierminister Boris Johnson, es gilt aber auch für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

          Zwar gibt es Fotos von Spahn, auf denen ihm ein Arzt in den freigelegten Oberarm eine Spritze setzt. Doch dabei handelt es sich lediglich um eine Aktion, mit welcher der Minister die Öffentlichkeit im Winter zur Teilnahme an der Grippeschutzimpfung ermuntern wollte.

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