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Jasper von Altenbockum (kum.)

Corona-Pflichtimpfungen : Eine moralische Pflicht

Für das Gemeinwohl: In Mainz lässt sich ein Student gegen das Coronavirus impfen. Bild: dpa

Eine Impfpflicht werde es nicht geben, sagt die Kanzlerin. Doch den Impfwilligen sollte nicht das Gefühl gegeben werden, dass sie schön doof waren, mit Verstand und Interesse am Gemeinwohl vorangegangen zu sein.

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          Selbst wenn Deutschland nicht dem Beispiel Frankreichs folgen will, zumindest für eine vulnerable Berufsgruppe eine Impfpflicht einzuführen, stellt sich die Frage: Gibt es diese Impfpflicht nicht schon? Nicht im rechtlichen Sinne, sondern im moralischen? Jens Spahn beschrieb den kleinen Unterschied mit „Impfgebot“. In der Tat wäre es unverhältnismäßig, ein ganzes Land stillzulegen, ohne gleichzeitig von den Bürgern zu verlangen, ein probates Mittel wahrzunehmen, das diesen Aufwand überflüssig macht.

          Impfpflicht hieße außerdem nicht Impfzwang. Pflichtverletzung hätte aber Konsequenzen. Rechtlich ist das heikel. Aber glaubt jemand, die Konsequenzen bleiben ohne Pflicht aus, wenn es im Herbst keine Entschuldigung mehr gibt, den besten Schutz gegen Virus und Varianten verpasst, verbummelt oder abgelehnt zu haben?

          Wie hoch die Latte für diesen Schutz der Allgemeinheit noch liegt, machte Angela Merkel am Dienstag klar. Die Kanzlerin wollte nicht das erste Mal durch ihren puren Auftritt zeigen, dass Dramatik in der Luft liegt. Zwar ist die Impfquote in bestimmten Gruppen, wie im Pflegepersonal, in Deutschland höher als etwa in Frankreich. Dennoch ist das Ziel, die 12 bis 59 Jahre alten Bürger zu 85 Prozent zu impfen, noch lange nicht in Sicht.

          Selbst die Gruppe derer, die 60 Jahre und älter sind und schon geimpft sein könnten, sind noch weit von den 90 Prozent entfernt, die nötig sind, um sie als Risikogruppe vor Varianten zu schützen. Dennoch blieb Merkel bei ihrer Linie: „Eine Impfpflicht wird es nicht geben.“

          Um diese Linie zu retten, kommen nun Angebote, wie man sie aus anderen Ländern kennt. Es wird dann nicht mehr so einfach sein, der Spritze zu entgehen. Die Schnapsidee, Geld dafür zu bezahlen (erst 500, bald tausend Euro? Also noch warten?), ist erfreulicherweise vom Tisch.

          Den Impfwilligen sollte nicht das Gefühl gegeben werden, dass sie schön doof waren, mit Verstand und Interesse am Gemeinwohl vorangegangen zu sein. Das, nicht Impfmuffelei, sollte belohnt werden – durch Rückkehr in die Rechte, die Geimpften vollauf zustehen. Das ist der beste Anreiz.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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