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Reihenfolge der Corona-Impfung : Gruppentherapie

In Großbritannien wird der Impfstoff seit Dienstag bereits verabreicht. Bild: dpa

Die nun festgelegte Verteilung des Impfstoffs stellt alle auf die Probe. Es ist ein Test, wie viel Vernunft sich gegen heißes Sentiment durchsetzen kann.

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          Und, in welcher Gruppe bist du so? Zwar fehlen in diesen Tagen die Anlässe für Smalltalk - Sektempfänge und Weihnachtsfeiern fallen schließlich aus -, doch die wesentliche Frage stellt sich wie von selbst, seitdem die Ständige Impfkommission einen Entwurf vorgelegt hat, welche Bevölkerungsgruppen in welcher Reihenfolge den Corona-Impfstoff bekommen sollen. Es ist eine ernste Frage. Die Fachleute haben sechs Gruppen mit absteigender Priorität unterschieden. Das Alter, Pflegebedürftigkeit sowie der mögliche Kontakt zu Infizierten und Geschwächten waren wesentliche Faktoren. Ihr Ziel haben die Autoren auch genannt: Es solle "möglichst viel gesundheitlicher und gesellschaftlicher Schaden" abgewendet werden.

          Wer das Dokument liest, der stellt rasch fest, wie systematisch die Kommission vorgegangen ist. Sie hat jenen Faktoren ein besonderes Gewicht zugesprochen, die nach Erkenntnissen der Forschung schwerere Krankheitsverläufe begünstigen. Zudem - und das ist die soziale Komponente der Liste - sollen Ärzte und Pfleger rasch immunisiert werden, damit das Gesundheitssystem nicht kollabiert.

          Logisch, folgerichtig, vernünftig

          Die Empfehlungen klingen logisch, folgerichtig, vernünftig. Doch im Umgang mit dem Coronavirus sind viele Menschen nicht kühl und keineswegs nüchtern. Wie könnten sie auch, es geht ja schließlich um viel. Manche, die nicht zur Gruppe mit der höchsten Priorität gehören, werden individuelle Gründe anführen, warum sie doch ganz oben stehen sollten. Andere werden in ihrer vermeintlichen Benachteiligung einen Beleg für die These sehen, vom System grundsätzlich diskriminiert zu werden. Und wiederum andere, die die Impfung dringend benötigen, werden sie mit dem Verweis darauf verweigern, dass sie sich für vieles eignen, doch nicht als Versuchskaninchen.

          Die Verteilung des Impfstoffs stellt alle auf die Probe. Es ist ein Test, wie viel Vernunft sich gegen heißes Sentiment durchsetzen kann und wie sehr die Jungen und Gesunden bereit sind, ihre eigenen Belange hintanzustellen. Kurzum, wie ernst es uns damit ist, dass es den Schwächsten in dieser Krise möglichst gutgeht.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

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