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Ständige Impfkommission : Das düpierte Gremium

Eine Junge Patientin wird in Berlin mit einer Dosis des Vakzins von Biontech geimpft. Bild: Andreas Pein

Die STIKO ändert ihre Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren – wegen neuer Daten, nicht für die Politik. Die hatte das Expertengremium wochenlang schlechtgeredet.

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          Manchmal wird es auch im Elfenbeinturm ungemütlich. Eigentlich ist die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) ein Gremium von achtzehn ehrenamtlich tätigen Wissenschaftlern, die sich zweimal im Jahr treffen, um über Infektionskrankheiten zu beraten und wie man sie bekämpfen kann. Seit aber das Coronavirus in der Welt ist und die ersten Impfstoffe dagegen auf dem Markt sind, vergeht kaum eine Woche, ohne dass sich die STIKO äußern soll. Dabei hat es der Expertenrat nicht immer leicht, denn Politik und Öffentlichkeit erwarten von ihm eine klare Linie, welche die Wissenschaft nicht immer zeichnen kann.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Die STIKO-Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Daten, und wenn diese fehlen oder einander widersprechen, dann halten sich Fachleute zurück oder revidieren sogar ihre Meinungen. Das war zum Beispiel bei der Frage der Fall, welche Impfstoffe für welche Altersgruppen geeignet seien, und das war zuletzt so bei der Debatte über die Impfung Minderjähriger. Da wurde die STIKO dafür kritisiert, dass sie keine grundsätzliche Empfehlung für Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren abgegeben hatte, sondern nur in Ausnahmefällen dazu riet. Die Argumentation der Ärzte und Virologen war indes glasklar: Da Kinder nachweislich weniger schwer an Covid-19 erkranken, müsse man zunächst die Gefahr der Nebenwirkungen ermitteln. Noch aber fehlten die Daten dazu – weshalb die Empfehlung ausbleibe. So weit, so nachvollziehbar. Die STIKO aber hatte die Rechnung ohne die Politik gemacht. Die wollte angesichts des nahenden Ferienendes, der schleppenden Impfkampagne und nicht zuletzt angesichts des Wahlkampfs möglichst viele Kinder und Jugendliche impfen lassen.

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