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Impfbeginn in der EU : „Es ist ein großer Tag“

  • Aktualisiert am

Die 94 Jahre alte Martha Nadolph erhält im Seniorenpark Am Birkenwäldchen als erste Thüringerin von Doktor Juliane Mühlberg zum Impfstart in Thüringen die erste Corona-Impfung. Bild: dpa

In der EU und in Deutschland werden die ersten Impfdosen verabreicht. Nicht überall funktioniert das reibungslos. Bundesgesundheitsminister Spahn spricht von „Hoffnung und Zuversicht“. Europol warnt vor Betrügern.

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          Nach ersten Impfungen am Samstag in Sachsen-Anhalt haben am Sonntag bundesweit die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Im Berliner Bethanien-Pflegeheim Sophienhaus erhielt am Morgen die hundert Jahre alte Ruth Heller eine Spritze mit dem Impfstoff des deutschen Herstellers Biontech und seines amerikanischen Partners Pfizer. Bei dem Termin anwesend war auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Gleich danach wurden zwei weitere Seniorinnen geimpft, die laut Kalayci ebenfalls über 100 Jahre alt sind. Der Impfstoff war erst am vergangenen Montag in der Europäischen Union zugelassen worden; die ersten Dosen wurden am Samstag in Deutschland an die Bundesländer ausgeliefert. Die Europäische Kommission hatte den 27. Dezember zum gemeinsamen europaweiten „V-Day“ (Vaccine Day, Impftag) erklärt.

          Die Senatorin sagte: „Es ist ein großer Tag.“ Es sei zudem ein Tag der Hoffnung, dass sich auch in anderen Pflegeeinrichtungen so viele Menschen impfen lassen. In dem Steglitzer Heim hätten 93 Prozent der Bewohner ihre Bereitschaft dazu erklärt. Die ersten Impfungen seien ein Signal, für sie sei es nie zu spät. Durch sie könnten schwere Krankheitsfälle gerade älterer Menschen und viel Leid vermieden werden. Die Mitarbeiter der Einrichtungen sollen parallel geimpft werden. Dafür geht am Sonntagnachmittag das mit 80 Kabinen größte der sechs Berliner Impfzentren in Betrieb. Es wurde in der Arena-Halle in Treptow aufgebaut, in der sonst etwa Konzerte stattfinden.

          Von der Polizei geschützt

          Laut Senatorin war der Start vorbildlich. Das mobile Impfteam, das zum ersten Mal im Einsatz war, habe „super funktioniert“. Die SPD-Politikerin appellierte an Ärzte, ihre Patienten in den Pflegeheimen gut auf das Impfen vorzubereiten und sie zu begleiten. An die Adresse von Impfgegnern sagte Kalayci, diese verdrängten die Realität und spielten mit Menschenleben.

          Gertrud Haase, die seit Anfang 2011 in dem Heim lebt, sagte: „Ich habe den Pieks gar nicht gemerkt. Ganz toll.“ Sie sei nur die Tage zuvor sehr nervös gewesen. Sie habe gehört und gelesen, dass es viele Tote in anderen Heimen durch das gefährliche Virus gegeben habe. Deshalb sei die Impfung ein großer Vorteil, so die Seniorin. Sie gehe jeden Tag spazieren und werde das auch am Sonntag machen. Es gehe ihr gut. Die zweite Dosis des Impfstoffs soll sie noch im Januar bekommen.

          Mannschaftswagen der Polizei standen am Sonntag vor der Einrichtung in Steglitz. Das mobile Impfteam war gegen 7.45 Uhr in einem Transporter vorgefahren. Am Steuer saß ein Bundeswehrsoldat.

          Eine Pflegekraft in Hessen

          Auch in Mecklenburg-Vorpommern haben am Sonntagvormittag die Corona-Schutzimpfungen begonnen. In einem Pflegeheim in Güstrow verabreichte ein Arzt eines mobilen Impfteams Bewohnern des Heimes erste Injektionen. Wie ein Sprecher des Landkreises Rostock-Land sagte, hatten sich alle 38 Heimbewohner im Alter zwischen 70 und 100 Jahren zu der freiwilligen Impfung bereiterklärt. Im Laufe des Tages sollten auch in anderen Regionen des Landes die Impfteams mit der Arbeit beginnen.

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