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Immer mehr Wohnungseinbrüche : Aufklärung unwahrscheinlich

  • -Aktualisiert am

Eine Beamtin der Spurensicherung sucht im Haus von Marina Bentele nach Fingerabdrücken und anderen Hinweisen auf die Täter. Bild: Rüdiger Soldt

In Deutschlands reichem Südwesten wird immer öfter in Wohnungen eingebrochen. Dass die Täter jemals gefunden werden, ist unwahrscheinlich. Politiker haben das Phänomen erst ignoriert, dann schöngeredet. Unterwegs mit der Spurensicherung.

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          Nach dem Einbruch schenkte sich Marina Bentele* spätabends erst einmal ein Glas Sekt ein. Zur Beruhigung. Der Schock saß tief. „Der Prosecco musste sein.“ Immer wieder sagt die 52 Jahre alte Frau diesen Satz zu den Ermittlern am Morgen nach der Tat. Der Prosecco musste sein, weil bei der Frau im badischen Söllingen, die mit ihrem Sohn in einem kleinen Häuschen am Bahndamm wohnt, nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate eingebrochen wurde.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Im Wohnzimmer liegt der Schriftverkehr der vergangenen Tage auf dem Boden. Im Badezimmer im ersten Stock haben die Einbrecher alle Kosmetika auf den Boden geworfen, weil sie dort Schmuck und Bargeld vermuteten. Der Schreibtisch des Sohnes ist durchwühlt worden. Nichts ist mehr dort, wo es hingehört.

          Marina Bentele ist auch am Morgen nach der Tat noch nervös, sie zündet sich vor der Haustür eine Zigarette an. „Ich nehme das langsam persönlich.“ Jetzt packen die beiden Beamten der Spurensicherung ihr Werkzeug aus: Zollstock, eine Speziallampe, verschiedene Klebefolien, Handschuhe, Mundschutz und Rußpulver. Die Einbrecher sind durch das schlecht gesicherte Küchenfenster eingedrungen. Sie haben es aufgehebelt, eine Blumenvase umgestoßen und einen Schuhabdruck auf dem Tisch hinterlassen.

          Keine Blutspuren

          Dann standen sie in der Küche der alleinerziehenden Mutter. Als die Einbrecher kamen, war niemand im Haus. Die Angestellte eines Telekommunikationsunternehmens hatte Spätschicht, der Sohn war in der Berufsschule. „Der Schmuck, den sie im Herbst nicht gefunden haben, ist jetzt auch noch weg“, sagt sie.

          Der Fensterrahmen wurde mit einem groben Werkzeug aufgehebelt, den Rollladen mussten die Einbrecher nur hochschieben. Eine leichte Übung. „Wir schauen uns die Werkzeugspuren an, analysieren die Fußspuren, listen auf, was weggekommen ist, und suchen nach Fingerspuren“, sagt Sabine Mertens*, die Kriminalbeamtin von der Spurensicherung. Sie setzt eine Atemschutzmaske auf und beginnt damit, die Fensterscheibe und den Fensterrahmen mit Rußpulver zu bepinseln. Viele Fingerabdrücke finden sie nicht an der Fensterscheibe. Leider verlief der Einbruch unblutig, denn eine aus einer Blutspur gewonnene DNA-Probe erhöht die Aufklärungsquote. „Es gibt aber Tatorte, da finden wir noch weniger“, sagt die Ermittlerin.

          „Ich habe eine Handschuhspur“, ruft ihr Kollege Dieter Metkemann* dazwischen, der gerade das Jugendzimmer nach Spuren durchsucht. Er holt eine Klebefolie, um das Profil des Gummihandschuhs zu sichern. Dann holt er noch eine große Gelfolie, klebt sie auf die Schuhspur auf dem Küchentisch, nachdem er die Spur mit einer Speziallampe genau lokalisiert hat. „Die haben wahrscheinlich durchgängig Handschuhe getragen, na ja, bei einem Mord würden wir schon mehr machen“, sagt der Ermittler. Auf dem Küchenschrank finden Metkemann und Mertens ein graues Haar. Es könnte von einem der Täter stammen, vielleicht ist es auch ein Hundehaar. Genau wird man das erst in ein paar Tagen wissen, wenn eine Analyse des Landeskriminalamts vorliegt.

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