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Immer mehr Corona-Tests : Deutschlands Labore sind am Limit

Kapazitätserhöhung in Person: Vanessa Op te Roodt im Labor in Ingelheim Bild: Lando Hass

Die Labore in Deutschland werten immer mehr Corona-Tests aus und verdienen gut daran. Doch nun schlagen Laborärzte Alarm: Noch mehr Untersuchungen seien unmöglich. Muss die Teststrategie geändert werden?

          8 Min.

          Es ist noch gar nicht lange her, da steckte der Stab tief im Hals eines Fremden. Oder weit oben in der Nase. Dort, wo die Ärzte das Virus vermuten. Jetzt hält Vanessa Op te Roodt den Stab vorsichtig in der linken Hand. Mit der rechten Hand greift sie zur Zange. Schnipp! Das abgetrennte kurze Ende rutscht in einen durchsichtigen Kunststoffbehälter, der mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt ist. Op te Roodt legt das lange Ende des Stabes zur Seite und greift zum nächsten Plastikröhrchen. Schraubt es auf und nimmt den neuen Stab heraus. Bevor sie die Zange neu ansetzt, hält sie das Metall kurz über die Flamme des Bunsenbrenners. „Von jeder Seite ein paar Sekunden“, sagt sie. Dann ist das Werkzeug steril. Jeder kleinste Tropfen von der alten Probe verdampft, jedes bisschen Virus verbrannt. Op te Roodt sagt: „Wir gehen halt auf Nummer sicher.“

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Die Arbeit ist monoton, die Bewegungen wiederholen sich. Aber sie sind wichtig. Ohne die Tests kann der beste Plan gegen die Pandemie nichts ausrichten. Weil niemand weiß, wer sich mit Corona angesteckt hat und wo Ärzte und Behörden als Erstes handeln müssen. Vanessa Op te Roodt hat gelernt, mit dieser Verantwortung zu leben. Es wäre fatal, jetzt nachlässig zu werden. Würde die Probe auf die Tischplatte fallen, wäre das ein Problem. Würde Op te Roodt sich aus Versehen selbst infizieren, eine Katastrophe. Ein Gestell fasst 30 Proben, sie stehen darin aufrecht wie Kerzen. Die Mitarbeiterin verwendet den englischen Begriff dafür, Rack. Nach spätestens vier Racks braucht Op te Roodt eine Pause. Eine Stunde lang hat sie dann Abstriche von Personen zur weiteren Untersuchung vorbereitet, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben könnten. Eine Probe nach der anderen, immer wieder geht das so: aufschrauben, rausnehmen, abschneiden, weglegen. Damit es schneller geht, hat Op te Roodt immer zwei Zangen parat liegen, die sie abwechselnd benutzt. Warum zwei? „Fassen Sie mal an“, sagt sie und reicht die Zange herüber, die sie eben noch über die Flamme hielt. „Kochend heiß!“

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