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Im Porträt: Ulrich Maly : Kein Zirkusdirektor

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Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD): „Berührt“ über seine Wiederwahl“ Bild: dpa

Mehr als zwei Drittel der Nürnberger Wähler haben für eine weitere Amtszeit von Oberbürgermeister Ulrich Maly gestimmt. Für die SPD in Bayern könnte er eine neue Führungsfigur sein. Für ihn selbst ist Effizienz wichtiger als mediale Wirkung.

          In demonstrativer Bescheidenheit ist Ulrich Maly mittlerweile geübt. Schon 2008, als er mit 64,3 Prozent in seinem Amt als Nürnberger Oberbürgermeister bestätigt wurde, brillierte er in der Rolle des demütigen Siegers: „Diese hohe Zustimmung lastet auf meinen Schultern.“ Dieses Mal muss er noch mehr den fränkischen Atlas geben, der die Last der Wähler trägt; 67,1 Prozent der Nürnberger Wähler stimmten am Sonntag für den Sozialdemokraten. Er sei von der Zuneigung, die ihm in der Stadt entgegengebracht werde, „berührt“, sagt Maly; so klingen Triumphgesänge an der Pegnitz.

          Der 53 Jahre alte Maly ist seit 2002 Chef im Rathaus der mit einer halben Million Einwohnern zweitgrößten Stadt Bayerns. Zurückhaltung pflegt er auch bei der Beschreibung seines Arbeitsplatzes; als Oberbürgermeister habe er mehr eine Management- und Kommunikationsaufgabe, weniger ein „Zirkusdirektorenamt“. Der Kommunalpolitiker liebt modische Floskeln nicht sehr; für ihn hat eine Stadt keine Kunden, sondern Bürger. Er scheut auch nicht klare Worte, dass er die Steuerquote angesichts der Ansprüche an den Dienstleistungsstaat für zu niedrig hält. Gerade die freiwilligen Leistungen der Kommunen, darunter die Kulturangebote, seien wichtig für eine Stadtgesellschaft.

          Auf Effizienz bedacht

          Der promovierte Volkswirt war vor seiner Zeit als Oberbürgermeister Kämmerer in Nürnberg. Er sei ein klassischer „Innendienstler“ gewesen, beschreibt er ironisch seinen Werdegang. Erste politische Meriten erwarb er sich nicht mit ideologischen Fanfarenstößen, sondern mit der Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung in der Stadtverwaltung. Maly findet schnell einen Gesprächsfaden mit Verhandlungspartnern, die anderer Auffassung als er sind; diese Gabe kommt ihm auch als Präsident des Deutschen Städtetags zupass.

          Das kommunale Spitzenamt nimmt er seit vergangenem Jahr wahr – auch hier mehr auf Effizienz als auf allzu große mediale Wirkung bedacht. Allerdings weiß der gebürtige Nürnberger, der im Stadtteil Schweinau aufgewachsen ist, dass sich allein mit Verwaltungsvorlagen und Positionspapieren keine Wählersympathien wecken lassen. Kein Geheimnis macht der Vater eines Sohnes und einer Tochter deshalb daraus, dass er ein Liebhaber der südlichen Küche ist und als Student in einer italienischen Weinhandlung gearbeitet hat; die Nachrede, er sei ein Genussmensch, muss Maly dennoch nicht fürchten.

          Maly und die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen: Auf der Suche nach einer landespolitischen Führungsfigur?

          Auf ihm ruhen wohlgefällig die Blicke der bayerischen SPD, die mit dem Ausscheiden Christian Udes aus politischen Ämtern Ausschau nach einer landespolitischen Führungsfigur hält. Maly will zwar nichts davon wissen; jede andere Einlassung wäre für einen frisch im Amt bestätigten Oberbürgermeister auch wenig hilfreich. Der Druck auf ihn wird aber wachsen, zumal ihm der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer schon einmal genüsslich Angreiferqualitäten für die Landtagswahl 2018 bescheinigt.

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