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Im Porträt: Bernhard Witthaut : Geduldig, offen und sachorientiert

Der neue Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut (r.), und sein Vorgänger Konrad Freiberg Bild: dapd

Mit kernigen Formulierungen und steter Medienpräsenz soll Bernhard Witthaut als neuer Bundesvorsitzender die Gewerkschaft der Polizei führen. Witthaut, wie sein Vorgänger Freiberg SPD-Mitglied, soll auch der konkurrierenden Standesorganisation den Schneid abkaufen.

          Bevor man den neuen GdP-Bundesvorsitzenden Bernhard Witthaut vorstellt, muss man berichten, dass Deutschland polizeigewerkschaftlich ein geteiltes Land ist. Es gibt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit etwa 180.000 Mitgliedern auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite steht die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) mit etwa 80.000 Mitgliedern. Dazwischen liegen Gräben, Minenfelder, Sperrfeuer.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die eine Gewerkschaft steht, grob gesagt, der SPD und dem Deutschen Gewerkschaftsbund näher, die andere der Union und dem Beamtenbund. Aber das heißt wenig, denn am nächsten ist beiden die jeweils eigene Uniform und am Fernsten die jeweils andere Gewerkschaft.

          Zwischen den beiden Standesorganisationen tobt seit Jahren ein munterer Streit um Mitglieder und Pfründe. Dazu haben sie viel Zeit, denn als Interessenverbände überwiegend von (Polizei-)Beamten dürfen sie sich nicht ernsthaft an Tarifkonflikten beteiligen. Ansonsten gilt: Was die eine will, lehnt die andere ab. Kommt die eine Gewerkschaft zur Castor-Betreuung ihrer Mitglieder mit Süßigkeiten und Kakao nach Gorleben, bringt die andere dort eine echte Espressomaschine in Stellung. Auf die Frage bei der Bundesgeschäftsstelle der einen Gewerkschaft (DPolG), ob es ein Glückwunschschreiben an den neuen Vorsitzenden von der anderen Seite (GdP) gebe, kommt die berlinisch-klare Antwort: „Nö, hammwa nich!“

          Im Rennen um öffentliche Aufmerksamkeit

          In solcher Lage ist jeder Innenminister eines Bundeslandes gut beraten, zwischen den Fronten zu lavieren. Ein Beispiel: Vor einem Jahr sollte wissenschaftlich untersucht werden, wie oft und unter welchen Umständen Polizisten Opfer gewalttätiger Angriffe werden. Geplant war, bundesweit Zehntausende Polizisten zu befragen.

          Die GdP unterstützte das Vorhaben, die DPolG war wahrscheinlich schon deswegen dagegen. Gründe wurden gesucht, wie Haare in der Suppe und ein Boykott organisiert. Daraufhin sprang ein Bundesland nach dem anderen von dem Vorhaben ab. Ein schöner Erfolg für die DPolG-Kampfgruppe, eine Niederlage für den alten GdP-Vorsitzenden.

          Dieser, Konrad Freiberg, wurde am Montag in den Ruhestand verabschiedet. Er war zwar ein rauer Gewerkschafter. Aber am Schluss wirkte er doch etwas altbacken im Vergleich zu dem energischen Medienprofi Rainer Wendt, der die DPolG nach Art eines Dauerlautsprechers führt. Nun aber schickt die GdP Witthaut ins Rennen um öffentliche Aufmerksamkeit. Die rund 250 Delegierten des Bundeskongresses in Berlin wählten ihn am Montag mit 96 Prozent der Stimmen ins Amt. Witthaut war der einzige Kandidat.

          Witthaut, wie sein Vorgänger Freiberg SPD-Mitglied, soll Wendt den Schneid abkaufen. Kernige Formulierungen, stete Medienpräsenz, das sind Anforderungen an den 55 Jahre alten vierfachen Vater.

          Er gilt aber auch als geduldig, offen und sachorientiert und es verbindet sich mit seiner Wahl die Hoffnung, dass es unter den Gewerkschaften etwas friedlicher zugehen möge. Seit etwa fünfzehn Jahren steht der Polizeihauptkommissar im hauptberuflichen Dienst seiner Interessengruppe und war, neben anderen Funktionen, zuletzt stellvertretender Vorsitzender des Polizeihauptpersonalrats in Niedersachsen. Ein Mann tiefster Gewerkschaftspraxis also.

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