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Im Gespräch: Umweltminister Altmaier : „Ich esse gern“

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Peter Altmeier steht zu seinem Gewicht Bild: Polaris/laif

Bundesumweltminister Peter Altmaier spricht im Interview mit der F.A.S. über sein Körpergewicht und seinen Schädel, über äußerlich perfekte Menschen und das Leben mit Schwächen.

          Herr Altmaier, Sie sind Bundesminister. Für einen Politiker ist das fast das Höchste, was er erreichen kann. Wollten Sie da hin?

          Durchaus. Es wäre unehrlich, wenn ich nein sagen würde. Allerdings hab ich nie versucht, meine politische Karriere zu planen.

          Müssen Politiker immer ganz vorne sein wollen, so wie Autorennfahrer oder Fußballer?

          Karriere als Selbstzweck ist wie Hamsterrad. Mir geht es um Gestaltung.

          Dass sie gestalten wollen, sagen ja alle Politiker.

          Als ich bei der Schüler-Union war, ist es uns gelungen, eine Straße für den Autoverkehr sperren zu lassen, auf der die Kinder mit dem Rad zur Schule fuhren und auf der es zu tödlichen Unfällen gekommen war. Die Straße ist nach fast vierzig Jahren immer noch gesperrt, es ist auch nie wieder etwas passiert. Das ist Gestaltung, und solche Möglichkeiten reizen mich auch am Amt des Ministers.

          Bis zur Übernahme des Ministeramtes waren Sie Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag. In welcher Funktion kann man mehr gestalten?

          Ich war gerne Geschäftsführer, es ist eine Querschnittsaufgabe, und man ist mitten im Getümmel. Aber meist kommt man erst dann ins Spiel, wenn sich zwei Minister nicht einig werden oder wenn es in Koalition oder Fraktion knirscht. Das ist sehr reaktiv. Als Minister kann man selbst Themen setzen und Richtungen bestimmen, wenn auch nur in einem Teilbereich der Politik.

          Aber Sie können doch als Minister auch nur reaktiv arbeiten. Auf Ihrem Schreibtisch fanden Sie das Riesenthema Energiewende. Das müssen Sie nun abarbeiten.

          Da ich bis zur Wahl nur ein Jahr Zeit habe, ist der Spielraum in der Tat knapp. Aber gerade bei der Energiewende kann ich etwas bewegen. Da hilft mir auch mein politischer Stil.

          Welches ist denn Ihr politischer Stil? Sind Sie der große Kommunikator?

          Ich habe Lust an der politischen Zuspitzung aber auch Freude am Konsens. Ich rede gerne mit Menschen und glaube nicht, dass ich alles allein oder besser weiß. Außerdem versuche ich, Politik so zu vermitteln, dass auch Nichtfachleute verstehen, was gemeint ist. Das Interesse an politischen Inhalten geht immer mehr zurück, was auch damit zu tun hat, dass uns das Erklären von Politik oft nicht gelingt. Das versuche ich in meinem Bereich zu ändern.

          Müssen denn die Menschen den Minister Peter Altmaier mögen, damit sie ihm das abnehmen, was er politisch verkündet?

          Die Wahrnehmung von Politik und Politikern hat sich verändert. Nach dem Krieg hatten ältere Politiker wie Adenauer Konjunktur, die Menschen wollten Sicherheit und Verlässlichkeit. Mit der 68er-Bewegung und dem Slogan „Trau keinem über 30“ entstand eine Art Jugendkult. Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem die Menschen vor allem Authentizität wollen. Es kommt nicht auf das Alter an, nicht auf das Aussehen und vielleicht noch nicht einmal in erster Linie auf die inhaltliche Position. Entscheidend ist vielmehr, dass ein Politiker den Eindruck vermittelt, als Person authentisch zu sein. Die Menschen wollen das Gefühl haben, dass sie das, was sie sehen, auch bekommen. Ob der Anzug sitzt oder die Haare richtig geschnitten sind, ist dabei nicht so wichtig. Mir sieht man zum Beispiel an, ob ich müde oder traurig bin oder ob mir eine Sache richtig Spaß macht.

          Aber diesen Menschen traut Peter Altmaier offenbar nicht zu, mit komplexen politischen Inhalten umzugehen. Stattdessen sind Sie zu einem der prominentesten Twitterer unter den deutschen Spitzenpolitikern geworden. Tragen Sie nicht zur Verdummung der Menschen bei, indem Sie ihnen nur noch Botschaften mit höchstens 140 Buchstaben servieren?

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