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Im Gespräch: Ole von Beust : „Ich füttere doch nicht die Wähler“

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„In jedem Bundesland ist die Lage anders. Schwarz-Grün ist ein Modell unter vielen.” Bild: AP

Das Klima zwischen CDU und Grünen in Hamburg ist unkompliziert. „Die Zusammenarbeit macht wirklich Freude“ sagt Bürgermeister Ole von Beust. In der Sonntagszeitung spricht er über die Schulreform, seinen Aufnahmetest fürs Gymnasium und das schwarz-grüne Lebensgefühl.

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          Das Klima zwischen CDU und Grünen in Hamburg ist unkompliziert. „Die Zusammenarbeit macht wirklich Freude“ sagt Bürgermeister Ole von Beust. In der Sonntagszeitung spricht er über die Schulreform, seinen Aufnahmetest fürs Gymnasium und das schwarz-grüne Lebensgefühl.

          Herr Bürgermeister, sind Sie der Totengräber des Gymnasiums?

          Nein, im Gegenteil. Ich bin der Retter des Gymnasiums. Denn in der Hamburger Bürgerschaft gibt es eine Mehrheit für neun Jahre gemeinsames Lernen. Die Grünen, die SPD und die Linkspartei haben das in ihren Programmen stehen. Wenn sie sich gemeinsam durchgesetzt hätten, wäre das das Ende des Gymnasiums gewesen! CDU und Grüne haben sich auf sechs Jahre gemeinsames Lernen geeinigt. Dieses Ergebnis mündete zudem in eine Vereinbarung über einen zehnjährigen Schulfrieden, dem sich die SPD angeschlossen hat. So ist der Erhalt des Gymnasiums langfristig gesichert.

          Ole von Beust und seine Stellvertreterin Christa Goetsch von der GAL: „Schwarz-Grün ist ein Modell unter vielen”

          Das ist also ein politischer Kompromiss auf dem Rücken der Schüler. Wo bleibt da das pädagogische Konzept?

          Natürlich ist die Einigung auf die Primarschule, auf gemeinsames Lernen bis einschließlich Klasse sechs, zunächst ein politischer Kompromiss gewesen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch davon überzeugt sein kann, dass er auch pädagogisch vernünftig ist. In fast allen Staaten Europas lernen die Schüler mindestens sechs Jahre gemeinsam. Was wir beschlossen haben, ist europäischer Standard.

          Sie haben gesagt, das dreigliedrige Schulsystem sei Ausdruck veralteten ständischen Denkens. Wie kommen Sie darauf?

          Das dreigliedrige Schulsystem basiert auf einem veralteten bildungspolitischen Ansatz, der die Menschen in drei Gruppen unterteilt: die intellektuellen Gymnasiasten, die handwerklich begabten Realschüler und diejenigen, die beiden zuarbeiten, die Hauptschüler. Doch dieses Menschenbild ist überholt.

          Aber das dreigliedrige Schulsystem war doch sehr erfolgreich.

          Nein. Wenn es so toll gewesen wäre, gäbe es ja keinen Änderungsbedarf. Die Ergebnisse der Pisa-Studie waren alles andere als ermutigend. Und die OECD hat uns bescheinigt, dass bei uns weniger Nichtakademikerkinder studieren als in anderen Ländern.

          Nach monatelangem Streit müssen sich die Hamburger nun auf einen Volksentscheid einstellen. Sind die Gespräche über die Schulreform endgültig gescheitert?

          Es ist schade, dass wir keinen Kompromiss mit der Bürgerinitiative "Wir wollen lernen" gefunden haben. Sie hat nun bis zum 18. März Zeit, den Antrag für den Volksentscheid zu stellen. Unabhängig davon, sind wir der Initiative aber weit entgegengekommen: Wir haben das Elternwahlrecht gestärkt und geben eine Qualitätsgarantie, die unabhängig überprüft wird. Dazu haben wir die Klassengrößen noch weiter verkleinert. Damit konnten wir alle in der Bürgerschaft vertretenen Parteien überzeugen, so dass in der kommenden Woche ein dahingehend geändertes Schulgesetz nicht nur von der schwarz-grünen Koalition, sondern von allen Fraktionen beschlossen wird.

          Sie haben Ihren Einsatz für die Schulreform auch mit persönlichen Erfahrungen begründet.

          Ich habe nach der vierten Klasse die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium zwar bestanden. Aber hinterher haben meine Eltern erfahren, dass ich eigentlich hätte durchfallen müssen, weil ich als unreif galt. Mein Vater aber war Bezirksbürgermeister, da hat man dann ein Auge zugedrückt. Vermutlich wäre ich sonst auf der Realschule gelandet.

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