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Im Gespräch: Julia Klöckner (CDU) : „Familien müssen Vorrang haben“

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Die Landesvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, will Familien stärker fördern Bild: dpa

Die Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, will Familien stärker fördern. Im Gespräch mit der F.A.S. fordert sie, Behördengänge für Eltern mit Kleinkindern zu erleichtern und junge Eltern bevorzugt einzustellen.

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          Frau Klöckner, Sie wollen sich verstärkt der Familie widmen, sollten Sie die Wahl am 27. März gewinnen und Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz werden. Was heißt das denn?

          Family Mainstreaming. Nicht im Sinne einer Gleichmacherei, sondern als eine ganzheitliche Familienpolitik. Und dabei geht es nicht nur um Kinderbetreuung, sondern auch darum, politische Entscheidungen stärker aus dem Blickwinkel von Familien zu treffen. Das gilt für die Kindererziehung am Anfang wie für die Pflege von Angehörigen am Lebensende. Zum Beispiel sollten Familien von Beitragserhöhungen in der Krankenversicherung nicht so stark belastet werden. In der Erziehungsphase und je nach Anzahl der Kinder.

          Das heißt, dass Kinderlose dann mehr zahlen müssen.

          Kinderlose zahlen heute schon bei der Pflegeversicherung als Ausgleich höhere Beiträge, damit die Sozialsysteme auch funktionieren. Dass die Krankenkassenbeiträge von Eltern, die aus der Erziehungsphase raus sind, nicht eingefroren werden können, ist rechnerisch schon klar. Es geht also um einen besseren Start für junge Familien. Wir müssen Mut machen zur Familiengründung. Außerdem brauchen wir einen Familien-TÜV bei der Gesetzgebung. Wir prüfen neue Gesetze ja auch auf Nachhaltigkeit und Bürokratiekosten.

          Und hinsichtlich des Gender Mainstreamings, also der Gleichstellung der Geschlechter.

          „Gendern“ ist ein technischer Begriff, da sollten wir uns mal etwas anderes überlegen. Dennoch: Immer muss alles gegendert werden, das greift zu kurz. Das sollte man ergänzen durch die Familienverträglichkeitsprüfung, Gesetze regelmäßig überprüfen, auch befristen. Das können die Landesministerien übernehmen. Gerade, wenn es um die Belastungen des familiären Alltags geht, müssen Familien unterstützt werden. Zum Beispiel sollten ihre Anträge durch die Behörden schneller bearbeitet werden. Es ist ein Unterschied, ob ich das Haus voll Kinder habe oder meinen Rhythmus für mich allein bestimmen kann.

          Vorfahrt für Eltern in Behörden?

          Für Familien.

          Aber Kinder wickeln eher selten Behördenanträge ab. Und Familie ist ja angeblich, wo Kinder sind – so heißt es selbst im konservativen Lager.

          Nein. Familie ist, wo Eltern für ihre Kinder da sind, und umgekehrt: Auch da, wo sich der Sechzigjährige um seinen Schwiegervater oder die Nichte um ihre Tante kümmert. Da hat Familienministerin Schröder Wichtiges angestoßen. Wir wollen eine Willkommens- und Wohlfühlkultur für Familien.

          Warum haben wir die nicht?

          Weil die Politik das Land zu wenig aus der Sicht von Familien betrachtet. Eine Freundin von mir hat zwei kleine Kinder und einen Job, der viel Zeit frisst. Sie rennt sich die Hacken ab, die Tagesmutter kostet viel Geld. Was am meisten an ihren Nerven zehrt, sind Behördengänge. Sie klagt, dass sie als Familie ausgebremst wird. Viele Ämter sind nicht familienfreundlich, sie führen die Dinge nicht zusammen, sondern schicken den Bürger von einer Stelle zur nächsten. Und wer kleine Kinder aufzieht, hat ein enges Korsett, das selten den Öffnungszeiten von Behörden entspricht. Wir brauchen Familienzentren, nach dem Vorbild der damaligen CDU-Regierung in Nordrhein-Westfalen, eine Anlaufstelle mit Familienlotsen, die helfen und beraten, Formulare sammeln und beim Ausfüllen helfen. Besonders junge Eltern sollten gefördert werden.

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