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Im Gespräch: Der AfD-Bundesvorsitzende Bernd Lucke : „Wir sind manchmal leider noch sehr amateurhaft“

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Bernd Lucke - Politiker der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Steht und fällt die Partei mit ihm? Bild: Lüdecke, Matthias

Kann die Alternative für Deutschland den Rückenwind aus den Wahlen in den Alltag retten? Oder ereilt die junge Partei ein ähnliches Schicksal wie die Piraten - wegen innerparteilicher Querelen?

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          Herr Lucke, vergiften Querulanten und Rechthaber das Klima in der AfD?

          Da, wo die sich breitmachen, ja. Ich habe im Oktober alle Mitglieder gebeten, diesen Leuten Contra zu geben. Es handelt sich ja auch nur um wenige schwierige Mitglieder, die Vorständen und Amtsinhabern das Leben schwer machen.

          Meinen Sie Mitglieder, die mit kleinlichen Einwänden den Ablauf von Parteitagen stören?

          Ja – und ich freue mich, dass seit meinem Aufruf alle Parteitage sehr diszipliniert und friedlich verlaufen sind.

          Warum wirkt die AfD anziehend auf solche Menschen?

          Neue Parteien ziehen natürlich Menschen an, die mit den alten Parteien unzufrieden sind. Darunter sind leider auch notorische Nörgler und Wichtigtuer. Im Europaparlament hat mir ein Mitbegründer der hessischen Grünen gesagt: „Weißt Du, Lucke, das ist immer so – bei einer neuen Partei gibt es erst einmal zehn bis zwanzig Prozent Verrückte.“

          Wollen Sie diese Leute loswerden?

          Wir schmeißen niemanden aus der Partei, nur weil er unkonventionelle Meinungen vertritt. Aber es gibt ja eine Selbstselektion: Wer abseitige Vorstellungen verfolgt, der wird irgendwann feststellen, dass er mit seinen Anliegen bei uns nicht richtig aufgehoben ist. Letztlich definiert sich eine Partei über ihre Programme und wer da seine Inhalte nicht wiederfindet, ist in der falschen Partei.

          Wen meinen Sie damit im Falle der AfD – Rechtsradikale?

          Nein, ich meine Leute, die politisch oder wirtschaftlich abstruse Vorstellungen haben. Rechtsradikalismus haben wir wirklich nicht in der AfD. Ich möchte doch mal den Begriff klarstellen: Rechtsradikale lehnen Demokratie und Parlamentarismus ab. Sie befürworten ein Führerprinzip, sie sind rassistisch, antisemitisch, revanchistisch. So etwas hat in der AfD keinen Platz und ich kenne niemanden bei uns, der auch nur annähernd so denkt. Nun gibt es aber manche Medien, die holen die Rechtsradikalismuskeule schon raus, wenn sich jemand kritisch zur Zuwanderung äußert. Das ist einfach infam, denn es verunglimpft Menschen, die mit Rechtsradikalismus nichts zu tun haben. Sie finden nur, dass wir schon genug Zuwanderung haben. Das darf man doch denken und das denken auch viele AfD-Mitglieder, auch wenn die Mehrheit eine geordnete Zuwanderung befürwortet. Das hat die Parteibasis in einer Urabstimmung entschieden.

          Ist diese zuwanderungskritische Minderheit also in der falschen Partei?

          Nein, nur in totalitären Parteien gibt es keine Minderheitsmeinungen. Zu einem komplexen Problem wie der Zuwanderung sind unterschiedliche Meinungen doch völlig legitim. Manche finden, dass wir schon genug Zuwanderung haben und andere denken, dass unser Land Zuwanderung braucht, weil wir viel zu wenig eigene Kinder haben. Mit einer Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau halbiert sich die deutsche Bevölkerung innerhalb von zwei Generationen. Das ist eine ernste Gefahr für die soziale Sicherung in Deutschland, die auf dem Generationenvertrag beruht. Wir müssen da gegensteuern – mit mehr eigenen Kindern und, solange es daran mangelt, mit Zuwanderern, die sich möglichst gut integrieren können. Deshalb sind Familienpolitik und eine geordnete Zuwanderungspolitik für die AfD zwei zentrale Themen. Das alles hat mit Rechtsradikalismus nichts zu tun.

          Warum sagen Sie nicht einfach: Wir sind eine rechte Partei und daran finden wir nichts Verwerfliches?

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