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Im Gespräch: Angela Merkel : „Zwei Männer gegen mich, das hatte ich schon einmal“

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Kritischer Blick auf den Koalitionspartner: Bundeskanzlerin Merkel (CDU) Bild: Frank Röth

Bundeskanzlerin Angela Merkel über die neue Doppelspitze der SPD, den Rücktritt Kurt Becks, das Zusammenspiel von Politik und Medien, das Schöne am Atomausstieg, die Kindergeld-Erhöhung und das Staatsgebiet Georgiens - ein Interview.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel über die neue Doppelspitze der SPD, den Rücktritt Kurt Becks, das Zusammenspiel von Politik und Medien, das Schöne am Atomausstieg, die Kindergeld-Erhöhung und das Staatsgebiet Georgiens.

          Wer macht Ihnen derzeit mehr Sorgen, Frau Bundeskanzlerin: der Kreml oder die SPD?

          Der Zustand der SPD ist in der Tat bedenklich, aber damit muss sie alleine zurechtkommen. Bei den außenpolitischen Herausforderungen der vorigen Wochen haben die Bundesregierung allen voran der Georgien-Konflikt und die Beziehungen der EU zu Russland stark beschäftigt. Die Bundesregierung ist hier in einer intensiven europäischen Abstimmung vorgegangen und wird das weiter tun, denn nur eine geschlossen auftretende EU verfügt über das notwendige Gewicht.

          Wenn die Nominierung des Kanzlerkandidaten davon überschattet wird, „dass ein Parteivorsitzender sich vorgeführt fühlt und daraufhin die Flucht ergreift, dann ist das auf längere Sicht für die Würde einer Volkspartei nicht gut”

          Haben Sie die Vorgänge in der SPD am vorigen Sonntag überrascht?

          Die Nominierung von Herrn Steinmeier als SPD-Kanzlerkandidaten kam nun nicht mehr ganz unerwartet. Der Rücktritt von Herrn Beck vom Parteivorsitz kam dagegen für mich ebenso wie für viele andere überraschend.

          Sie sprachen davon, dass die Art und Weise, wie dieser Personalwechsel an der Spitze der SPD ablief, mit der Würde einer Volkspartei nicht vereinbar sei. Ging es bei solchen Machtkämpfen jemals anders zu?

          In der Politik gibt es in der Tat immer wieder harte Entscheidungen, das ist unvermeidlich. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was für ein bedeutendes Ereignis die Nominierung des Kanzlerkandidaten ist. Wenn eine solche Entscheidung davon überschattet wird, dass ein Parteivorsitzender sich vorgeführt fühlt und daraufhin die Flucht ergreift, dann ist das auf längere Sicht für die Würde einer Volkspartei nicht gut.

          Kurt Beck begründete seinen Rücktritt damit, Stichwortgeber aus der SPD hätten in den Medien den Eindruck erweckt, er sei in Sachen Kanzlerkandidatur nicht mehr Herr des Verfahrens gewesen. Waren die Medien die eigentlichen Akteure?

          Das glaube ich nicht, aber am Ende müssen das die Betroffenen bewerten. Was ansonsten das Verhältnis von Medien und Politik generell betrifft, so hat jede Seite ihre klar definierte und damit abgegrenzte Aufgabe zu erfüllen. Medien und Politik sollten den gegenseitigen Stolz haben, dass jeder sich auf seine Aufgaben konzentriert. Dabei weiß ich sehr wohl, dass die Politik die Medien natürlich braucht, um ihre Überzeugungen zu verbreiten. Auch Politiker, die versuchen, ihre Entscheidungen möglichst autark zu treffen, sind nicht unbeeinflusst von dem, was in der Zeitung steht. Alles andere wäre ignorant.

          Sie selbst haben im Jahr 2000 mit einem Namensbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf das Ende der Ära Kohl in der CDU hingewirkt.

          Ich habe damals in der Tat mit einem Namensartikel, also mit offenem Visier, meine Auffassung zur Zukunft der CDU deutlich gemacht. Aber ansonsten waren das ganz andere Zusammenhänge als die heute in der SPD. Und im Übrigen hat Helmut Kohl Herausragendes für Deutschland und Europa geleistet und bleibt für die CDU ein prägender Staatsmann.

          Wann haben Sie erfahren, dass Ihr Außenminister und Vizekanzler gegen Sie antreten wird?

          Herr Steinmeier selbst hat mich angerufen und mir mitgeteilt, dass er Kanzlerkandidat der SPD wird.

          Die SPD schickt jetzt gleich zwei Männer gegen Sie in den Wahlkampf. Ehrt Sie das?

          Zumindest brauchen sie ganz offensichtlich mindestens zwei, aber im Ernst: Viele Parteien versuchen es mit Doppelspitzen. Im Wahlkampf des Jahres 2005 war es im Übrigen auch nicht anders, als Herr Schröder zusammen mit Herrn Müntefering gegen mich antrat.

          Sie müssen nun ja nicht mehr Frau Nahles anrufen, wenn Sie etwas mit der SPD auszumachen haben. Aber wessen Nummer wählen Sie, die Steinmeiers oder die Münteferings?

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