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Illegale Arbeiter : Deutschlands Schattenpersonal

  • -Aktualisiert am

Schattenmenschen - Schwarzarbeiter in Deutschland Bild: picture-alliance/ dpa

24.000 illegale Arbeiter sind den deutschen Behörden zuletzt „sichtbar geworden“. Es gibt aber Dunkelziffern von bis zu einer Million. Ohne die Illegalen bliebe manche Wohnung ungeputzt.

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          Schattenmenschen. Wie viele mit dem Kehrbesen in der Hand durch deutsche Wohnungen geistern, wie viele die Spülmaschinen in deutschen Gaststätten einräumen, wie viele Zement schaufeln auf deutschen Baustellen, weiß niemand. Schattenmenschen kann man nicht zählen. Nur wenn sie einmal der Polizei oder den Grenzschützern in die Arme laufen, bekommen sie eine amtliche Identität: Draga M., 51 Jahre alt, Heimatland Serbien, aufgegriffen ohne Aufenthaltsgenehmigung in Frankfurt am Main. Illegale Migrantin.

          24.000 solcher Schattenmenschen sind nach Angaben von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) im vergangenen Jahr den Behörden sichtbar geworden. Vor einigen Jahren lag die Zahl noch bei 50.000. Der Rückgang sei auch auf die verstärkte polizeiliche Aufklärung zurückzuführen, sagte der Minister auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden, auf der das Phänomen „Illegale Migration“ von allen Seiten beleuchtet wurde. Vielleicht bedeutet die Zahl aber auch nur, daß man einfach weniger „Schatten“ gefangen hat: weil diese möglicherweise noch blasser geworden sind; oder weil jetzt etwa für die Polen als EU-Angehörige andere Visaregeln gelten. Mit Sicherheit sagt die Zahl 24.000 aber das eine: daß der Zulauf zur Armee der Schattenmenschen anhält.

          Heere von illegalen Arbeitern

          Wie groß diese Armee ist? 100.000 bis 300.000 Köpfe, sagen die einen. Andere sprechen von einer Million. In Deutschland wohlgemerkt. Doch auch in anderen europäischen Ländern geistern derartige Heere herum. Allein am vergangenen Mittwoch sind, so berichtete in Wiesbaden ein hoher spanischer Beamter, 171 Illegale auf den Kanarischen Inseln gestrandet. Afrikanische Schatten. Schäuble verwies auf Schätzungen, wonach in der EU jährlich eine halbe Million illegaler Migranten hinzukommen. Auch Draga M. wird über kurz oder lang wieder zur Schattenarmee stoßen. Selbst nachdem sie ein zweites Mal abgeschoben worden ist, zurück nach Serbien. Denn in Frankfurt hat sie eine Chance, in ihrem Dorf an der bulgarischen Grenze hat sie keine. Dort besitzt sie zwar ein Häuschen, aber sie kann nichts verdienen. In Frankfurt muß sie nach den Regeln der Schattenmenschen leben: Nie ohne gültige Monatskarte! Nie bei Rot über die Straße! Nie mit Behörden zusammentreffen! Aber sie hat ein ordentliches Einkommen. Zumindest, wenn sie sich kein Bein bricht. Denn eine Krankenversicherung für Schatten gibt es nicht.

          Für einen Innenminister hat die Sicherheit Vorrang. Und das große Ganze. Deshalb gab Schäuble vor den Sicherheitsfachleuten die Parole aus: „Illegale Migration bekämpfen, legale Migration steuern.“ Wenn man die Illegalen nicht zurückschicke, ermutige man nur die Schleuser, die häufig noch in andere kriminelle Geschäfte verwickelt sind: Rauschgift- und Waffenhandel etwa oder Zwangsprostitution. „Konsequente Rückführung“, sagte deshalb der Minister. Kriminelle Schleuser? Von denen weiß Draga M. ein Lied zu singen. Nachdem sie das erste Mal abgeschoben worden war, hat sie in einer Belgrader Zeitung eine Annonce einer holländischen Agentur gefunden. Die versprach ihren Kunden einen Werkvertrag in Deutschland. 700 Euro hat Draga M. der Agentur gezahlt. Die Agentur hat sich nie wieder gemeldet. Aber sind auch jene Helfer Kriminelle, die ihr gegen Geld einen amtlichen Paß, ausgestellt auf ihren alten Mädchennamen, beschafft haben? Für sie nicht. Immerhin hatte sie es damals mit diesem Dokument wieder nach Frankfurt geschafft.

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