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Stoibers Nachfolge : Erwin Huber führt die CSU

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Er hatte eine eindrucksvolle Bewerbungsmappe vorgelegt Bild: ddp

Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber hat sich im Kampf um den CSU-Vorsitz gegen Horst Seehofer durchgesetzt. Er bekam gut 58 Prozent der Stimmen und wird Stoibers Nachfolge antreten. Gabriele Pauli wurde mit einem enttäuschenden Wahlergebnis von nur 2,5 Prozent bestraft.

          Die Delegierten des Parteitags in München haben den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber mit 58,19 Prozent der Stimmen zum CSU-Vorsitzenden gewählt. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer erreichte mit 39,1 Prozent ein achtungsvolles Ergebnis. Er wurde in einem weiteren Wahlgang mit 91,81 Prozent zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli landete dagegen weit abgeschlagen auf dem letzten Platz: Sie konnte lediglich 2,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Auf eine Kandidatur für einen Stellvertreterposten verzichtete sie.

          Damit werden zwei Männer Edmund Stoibers Ämter unter sich aufteilen. Dass Innenminister Günther Beckstein Ministerpräsident werden soll, stand schon vor dem CSU-Parteitag fest. Er wurde am Samstag als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008 nominiert. (Siehe auch: Beckstein mit 96,6 Prozent Spitzenkandidat der CSU und Günther Beckstein: Vom Dorfgendarm zum Nachlassverwalter) Stoiber wurde einstimmig zum Ehrenvorsitzenden der Partei ernannt.

          Erwin Huber hat seit den Kreuther Putschtagen in den Parteigliederungen mit der ihm eigenen Beharrlichkeit für sich geworben. Es war der gewohnte Hubersche Furor, der ihn schon in der Vergangenheit in Positionen gebracht hat, von denen er in seiner kargen Kindheit in Niederbayern nicht einmal träumen konnte. Jahrgangsbester während der Ausbildung in der bayerischen Finanzverwaltung, Absolvent eines Abendgymnasiums, Student der Volkswirtschaft - Huber ging durch eine harte Schule des Lebens, bevor er in der Partei aufstieg.

          Huber konnte dem Parteitag eine eindrucksvolle Bewerbungsmappe vorlegen. Als CSU-Generalsekretär, bayerischer Finanzminister und Leiter der Staatskanzlei hat er Erfahrungen in allen Feldern der Bundes- und Landespolitik gesammelt. Der 61 Jahre alte Huber ist ein konservativer Pragmatiker, der meistens weiß, wann das gröbere Vokabular des Parteipolitikers und wann das abgewogene Urteil des Fachmanns gefragt ist. (Siehe auch: Erwin Huber: Bienenfleißig an die CSU-Spitze)

          Erwin Huber ging durch eine harte Schule des Lebens

          Horst Seehofer konnte sich auf dem Parteitag trotz seiner großen kommunikativen Gabe nicht durchsetzen. Legendär sind in der CSU die Erzählungen, wie es ihm in seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister gelang, Versammlungen mit Ärztefunktionären, die ihn mit Pfiffen und Buhrufen begrüßten, zu Akklamationsveranstaltungen zu wenden. Die Osmose mit seinem jeweiligen Publikum gelingt Seehofer auch in seiner gegenwärtigen Aufgabe als Bundeslandwirtschaftsminister, wenn ihm vielfältige Erwartungen - von der Besteuerung des Biodiesels bis zur Reform der Erbschaftsteuer - entgegenschlagen.

          Wie sein Konkurrent Huber hat auch der 58 Jahre alte Seehofer einen weiten Weg zurückgelegt - vom Sohn eines Lastwagenfahrers und Bauarbeiters, für den schon die Verwaltungsprüfung für den gehobenen Dienst ein großer Schritt war, bis zum Bundesminister. Auch im Umgang mit den Indiskretionen über sein Privatleben brauchte Seehofer keine Nachschulung in Durchsetzungskraft. Mit seinem Hinweis, auch ihm werde viel über das Privatleben anderer Politiker zugetragen, ohne dass er davon Gebrauch mache, dürfte er aber auch Liebhaber innerparteilicher Kampfkünste überfordert haben. (Siehe auch: Horst Seehofer: Anekdoten statt Akten)

          Gabriele Pauli hatte von vornherein keine Chancen. Die Fürther Landrätin hatte einen Wirbelsturm um ihre Person entfacht, der mehr über die medialen Mentalitäten der Republik aussagt als manche dickleibige Analysen. In atemberaubender Geschwindigkeit ist sie den Weg von einer gestandenen Kommunalpolitikerin zu einem Sternchen des politischen Boulevards gegangen. Die Mär, der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Stoiber sei über sie zu Fall gekommen, hat ihr auch auf dem Parteitag einige Aufmerksamkeit gesichert. Ihr Vorwurf, ihr Privatleben sei von Stoibers Staatskanzlei ausgeforscht worden, war aber nur der Anlass für Stoibers Gegner, ihre längst geschmiedeten Waffen zu zücken.

          Nach dem Kreuther Putsch wäre es für die promovierte Betriebswirtin, die seit 1990 dreimal in Folge direkt als Landrätin des Landkreises Fürth gewählt wurde, nicht allzu schwer gewesen, sich als kommunalpolitische Stimme der CSU Gehör zu verschaffen; ein Sprung in die engere Parteiführung wäre möglich gewesen. Doch die 50 Jahre alte Politikerin verschrieb sich einer ungebremsten Selbstboulevardisierung und ließ sich von einem Kabarettisten zu einem Plädoyer für eine Ehe auf Zeit inspirieren. Der Antrag fiel auf dem Parteitag glatt durch. (Siehe auch: Gabriele Pauli: Am Ziel und am Ende)

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