https://www.faz.net/-gpf-9igzz

Daten-Skandal : Mutmaßlicher Täter fiel schon früher auf

  • Aktualisiert am

Holger Münch (li.) berichtet erste Erkenntnisse über den geständigen Hacker. Bild: dpa

Die Sicherheitsbehörden hätten im Fall des massenhaften Datenklaus gut und effizient zusammengearbeitet, erklärt der Innenminister. Der mutmaßliche Täter sei für die Behörden kein Unbekannter, erklärt derweil BKA-Präsident Münch.

          Der im Zusammenhang mit der Online-Attacke auf Politiker und Prominente verdächtige 20-Jährige ist den Behörden nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bereits früher wegen einer ähnlichen Aktion bekannt geworden. Der Mann sei schon vor zwei Jahren wegen des Ausspähens von Daten und wegen Vorbereitungen dazu aufgefallen, sagte Münch am Dienstag in Berlin. Zugleich betonte er, der 20-Jährige sei nicht vorbestraft.

          Die Frage, ob der mutmaßliche Täter aus einem rechtsextremen Milieu komme, verneinte Münch. „Es gibt keine polizeilichen oder nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, dass er in irgendeiner Form mit politischer motivierter Kriminalität vorher zu tun hatte.“ Auf Nachfrage betonten Münch wie auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, es gebe keine Indizien, dass der 20-Jährige staatliche Unterstützung bei seinen Aktionen gehabt habe.

          Innenminister Seehofer wehrte sich nach der vorübergehenden Festnahme des 20-Jährigen gegen den Vorwurf zu langer Untätigkeit. Die zuständigen Behörden hätten „sehr rasch, sehr effizient und sehr gut rund um die Uhr gehandelt“, betonte Seehofer am Dienstag in Berlin. Der Tatverdächtige sei schon am vergangenen Sonntag identifiziert worden, ergänzte Seehofer, der die gute Zusammenarbeit der zuständigen Behörden lobte und betonte: „Wir machen in so wichtigen Angelegenheiten also unsere Arbeit.“ Der Schutz der Bevölkerung und Behörden sei „rund um die Uhr gewährleistet“ gewesen, „auch auf dem Feld der Cybersicherheit“.

          Zugleich betonte der Innenminister, die Behörden bemühten sich weiter, die veröffentlichten Daten möglichst umfangreich zu löschen, ganz werde das vermutlich aber nicht gelingen. Absolute Sicherheit könne gerade im Bereich der Cybersicherheit nicht versprochen werden. Der verdächtige 20-Jährige soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Der Mann war nach der Durchsuchung seiner Wohnung zunächst vorläufig festgenommen worden, wurde nach einem umfassenden Geständnis wegen fehlender Haftgründe am Montagabend aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

          Die Behörden arbeiteten weiter „mit Hochdruck“ an der Aufklärung des Falls, erklärte Seehofer. Es sei aber „unwahrscheinlich“, eine Weiterverbreitung der gestohlenen Daten gänzlich zu verhindern. „Der Vorfall ist für die Betroffenen sicher schmerzhaft“, so Seehofer. Es habe sich durch ihn aber keine Änderung der Sicherheitslage in Deutschland ergeben.

          Seehofer warnt vor Sorglosigkeit

          Der Innenminister warnte die Bürger vor Sorglosigkeit im Umgang mit sensiblen Daten. Zugleich kündigte er an, ein IT-Sicherheitsgesetz 2.0 noch in der ersten Jahreshälfte 2019 vorzulegen. Dabei solle es auch Verbesserungen beim Verbraucherschutz geben. Wichtig sei ein „risikobewusstes Handeln“ jedes Einzelnen, sagte Seehofer. Das betreffe Anwender, Nutzer und Anbieter gleichermaßen. Zunächst trage jeder im privaten Bereich selbst die Verantwortung für den sicheren Umgang mit dem Schutz von sensiblen Daten. Sorglosigkeit wäre vollständig fehl am Platze. Die Behörden wollten die Bevölkerung aber zugleich besser vor Gefahren aufklären. Eine „totale Sicherheit“ gebe es aber nicht, sagte Seehofer.

          Der Innenminister kündigte ein einheitliches IT-Sicherheitskennzeichen an, dadurch solle die IT-Sicherheit für Bürger sichtbar gemacht werden. Ein anderer wesentlicher Punkt sei die Zertifizierung der Geräte, zum Beispiel der Router. Die Bevölkerung solle erkennen, dass es sich um ein Gerät mit höchstmöglichen Sicherheit handle.

          Die Sicherheitsbehörden hatten den mutmaßlichen Täter am Sonntagmittag identifiziert. Dies bedeute, dass man den Mann etwa 48 Stunden nach Aufnahme der Ermittlungen gekannt habe, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch. Aus den Ländern seien den Bundesbehörden im Zusammenhang mit den Ermittlungen insgesamt 17 mögliche korrespondierende Vorgänge gemeldet worden. Münch ergänzte, der mutmaßliche Täter habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Schadsoftware benutzt, sondern andere Hacking-Methoden, um Passwörter zu überwinden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.