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Seehofer als Innenminister : Er wird es, er wird es nicht, er wird es doch

A Hund is’ er scho’: Seehofer wird in der Bayerischen Staatskanzlei gefragt, was er gemeint haben könnte. Bild: Picture-Alliance

Horst Seehofer streut Zweifel, ob er im Fall einer großen Koalition tatsächlich nach Berlin wechselt. Was will er damit nur bezwecken?

          6 Min.

          Das Tolle an Horst Seehofer ist, dass es mit ihm nie langweilig wird. Es ist erst ein paar Wochen her, da überraschte der bayerische Noch-Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende sein Publikum am Morgen nach der letzten Nacht der Koalitionsverhandlungen mit der Ankündigung, er werde nicht nur Bundesinnenminister, sondern unter seiner Führung werde das Ressort auch noch erweitert, nämlich um die Themen Bauen und Heimat. Das Staunen war groß. Seehofer hatte zwar als Bundespolitiker Erfahrung gesammelt, war Gesundheitsminister unter Kanzler Helmut Kohl und führte das Landwirtschaftsressort unter Kanzlerin Angela Merkel. Aber ein so komplexes Großministerium wie das für das Innere mit fast 69 Jahren zu übernehmen und dann gleich zum Start erheblich auszubauen – das ist noch mal eine andere Dimension.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Wie gering die Begeisterung über die Personalie vor allem im Innenministerium selbst ist, machte der scheidende Hausherr, der zur CDU gehörende Thomas de Maizière, am Montag persönlich klar. In einem Gespräch mit dieser Zeitung wies er darauf hin, dass das deutsche Innenministerium „jetzt schon extrem groß“ sei, vergleichbar in Europa nur noch mit dem britischen. Er jedenfalls, der auf fast sechs Jahre Amtszeit als Bundesinnenminister in zwei Legislaturperioden kommt und noch dazu das Kanzleramt und das Verteidigungsministerium geführt hat, traue sich „diese Breite des Ressorts, wie die CSU sie anstrebt“, nicht zu. Er wünschte Seehofer „aus vollem Herzen viel Erfolg“, doch verband der CDU-Mann diesen Wunsch mit dem Hinweis, dass es für einen Verfassungsminister sehr hilfreich sei, Jurist zu sein. Was Seehofer bekanntlich nicht ist. Vielleicht waren diese öffentlichen Schläge gegen seinen Nachfolger von de Maizière gedacht als ein letzter Liebesdienst an seine Belegschaft, bevor er das Haus der CSU überlassen muss.

          Versucht die Zweifel, die Seehofer (links) gesät hat, zu zerstreuen: Alexander Dobrindt (rechts), Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag

          Seehofer hält Überraschung parat

          Während man sich in Berlin also anschickte, die Flaggen über dem Innenministerium zumindest auf dreiviertelmast zu setzen, empfing am Montag Horst Seehofer das Konsularische Korps in der Münchner Staatskanzlei. In München behaupten einige, auch in der CSU, der Ministerpräsident nehme in den vergangenen Tagen seiner Amtszeit nur noch schöne Termine wahr, die wichtigeren Amtsgeschäfte kämen deswegen zu kurz. Ob das nun stimmt oder nicht – der Termin am Montag gehörte zu den schöneren. Seehofer stand im prunkvollen Kuppelsaal seines Amtssitzes, in festgelegter Reihenfolge traten die Diplomaten mit schillernden Namen auf ihn zu, um ihm alles Gute fürs neue Jahr und in vielen Fällen auch fürs neue Leben zu wünschen.

          Der englische Generalkonsul hielt eine Rede, in der er Seehofer lobte: „You will be a hard act to follow“ – es werde schwer sein, seine Fußstapfen auszufüllen. Seehofer hätte sich danach bedanken können, vielleicht ein bisschen über die schwierige Lage auf der Welt sprechen, womöglich auch einen kleinen Blick zurück werfen auf die zehn Jahre seiner Amtszeit. Tat er auch. Aber Seehofer wäre nicht Seehofer, hätte er nicht noch eine Überraschung parat gehabt.

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